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Quantenverschränkung und Gleichzeitigkeit
 
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elektrolurch



Anmeldungsdatum: 14.10.2016
Beiträge: 1

Beitrag elektrolurch Verfasst am: 14. Okt 2016 23:06    Titel: Quantenverschränkung und Gleichzeitigkeit Antworten mit Zitat

Meine Frage:
Hallo!

Ich, studierter Physiker, stehe vor der Frage, ob und wie sich das Phänomen der Quantenverschränkung mit der Relativität der Gleichzeitigkeit in der speziellen Relativitätstheorie vereinbaren lässt.

Quantenverschränkung ist eine nicht "überlichtschnelle", sondern tatsächlich instantane Wechselwirkung zwischen räumlich voneinander getrennten Quantenobjekten. Sie sind zunächst über die Wellenfunktion miteinander verbunden. Beim Kollaps der Wellenfunktion jedoch, welcher durch eine Messung am Ort des einen Teilchens verursacht wird, wird auch der Zustand des anderen Teilchens festgelegt, und zwar auf eine bestimmte, eben "verschränkte" Art. Es ist, als ob das eine Teilchen die Voodoo-Puppe für das andere Teilchen wäre.

Nun sagt die SRT ja, dass nix schneller als Licht ist. Das allein ist jedoch noch kein Widerspruch, wenn man annimmt, dass die Wechselwirkung der Quantenverschränkung nicht durch den Raum übertragen werden muss, sondern irgendwie jenseits des Raums geschieht. Deswegen spricht man in Bezug auf die Quantenverschränkung ja auch von Nichtlokalität. Es muss keine Information "übertragen" werden im klassischen Sinne, weil die Teilchen nur voneinander getrennt erscheinen, es durch die Verschränkung in Wahrheit aber nicht sind.

Auf einen Widerspruch stößt man jedoch, wenn man die Relativität der Gleichzeitigkeit in Betracht zieht. Muss nicht in jedem Bezugssystem die Wellenfunktion instantan kollabieren? Laut der Relativität der Gleichzeitigkeit geschieht das, was gleichzeitig, also instantan in einem Bezugssystem passiert, in einem dazu bewegten Bezugssystem nicht gleichzeitig. Weiß da jemand eine Antwort drauf, oder handelt es sich tatsächlich um ein ungelöstes Problem der Physik? Ich las letztens, dass sich Quantenphysik und SRT nicht widersprechen (Quantenphysik und ART dagegen schon!), aber das träfe dann wohl nur mit Ausnahme der Quantenverschränkung zu?

Meine Ideen:
Quantenverschränkung konnte mittlerweile mit großer Sicherheit als reales Phänomen bestätigt werden: http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-mehr/quanten-auf-dem-pruefstand-einsteins-spuk-hat-ein-ende-13870785.html

Ein Artikel zu der Frage: http://www.schattenblick.de/infopool/natur/physik/npthe036.html
elektrolurch2
Gast





Beitrag elektrolurch2 Verfasst am: 14. Okt 2016 23:13    Titel: Informationsübertragung zwischen Beobachtern Antworten mit Zitat

Eins hab ich noch vergessen: Die Information über die verschränkten Quanten müsste nach dem Kollaps ja noch irgendwie zwischen zwei Beobachtern kommuniziert werden. Diese Kommunikation wäre wieder an die Lichtgeschwindigkeit gebunden und könnte mittels passender relativistischer Effekte das Paradoxon (wie üblich) als Scheinparadoxon entlarven, aber ich habe das Gefühl, dass da erst ein halber Schuh draus wird. Immerhin beeinflussen sich durch die Quantenverschränkung zwei raumartig getrennte Ereignisse gegenseitig. (Wobei man sie andererseits ja scheinbar gar nicht als "getrennt" bezeichnen kann... ah... hilfe grübelnd )
Nescio



Anmeldungsdatum: 05.12.2015
Beiträge: 279

Beitrag Nescio Verfasst am: 15. Okt 2016 03:01    Titel: Re: Informationsübertragung zwischen Beobachtern Antworten mit Zitat

elektrolurch2 hat Folgendes geschrieben:
Immerhin beeinflussen sich durch die Quantenverschränkung zwei raumartig getrennte Ereignisse gegenseitig.


Das sehe ich nicht so, schließlich wird bei der Quantenverschränkung keinerlei Information übertragen. Es ist nur so, dass die Messergebnisse vom Ort A mit denen vom Ort B korreliert sind, was man aber erst erkennen kann, wenn man beide Messergebnisse mit Unterlichtgeschwindigkeit zusammenbringt. Man kann mit einer Messung bei A aber in keiner Weise den Ausgang irgendeines Experimentes bei B beeinflussen. (oder besser gesagt, nur durch klassische Übertragung mit Unterlichtgeschwindigkeit)

Ich habe hier etwas interessantes zu dem Thema entdeckt:
http://www.spektrum.de/magazin/bedroht-diequantenverschraenkung-einsteins-theorie/1002937

Der Artikel selbst ist nicht wichtig, aber interessant ist der Leserkommentar Nr. 17 von Prof. Dr. Eduard Wirsing.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 14064

Beitrag TomS Verfasst am: 15. Okt 2016 09:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, man sollte die Diskussion anders beginnen.

Nach Maudlins Analyse des Messprozesses können nicht alle folgenden Aussagen zugleich richtig sein:

1. Die Quantentheorie ist vollständig.
2. Die Vektoren im Hilbert-Raum gehorchen immer einer linearen Dynamik
3. Eine Messung ergibt genau einen der möglichen Eigenwerte des entsprechenden Operators.

Abhängig davon, welche Aussage man verwirft, gelangt man zu unterschiedlichen Interpretationen bzw. Modfikationen der Quantenmechanik.

1. Ablehnung der Vollständigkeit führt u.a. zu Theorien mit verborgenen Variablen; eine große Klasse ist experimentell ausgeschlossen (Bellsche Ungleichung u.a. Theoreme); zulässig sind z.B. nicht-lokale verborgene Variablen (deBrogie-Bohm).

3. Ablehnung des Kollapses bzw. des Projektionspostulates, wonach Messungen zu einem Eigenzustand der gemessenen Observablen mit dem jeweiligen Eigenwert führen, führt im Wesentlichen zur viele-Welten-Interpretation; dabei bleiben die unterschiedlichen, mikroskopisch angelegten Zweige des Zustandsvektors auch makroskopisch erhalten; durch Dekohärenz sind diese Zweige jedoch makroskopisch voneinander entkoppelt, nicht mehr interferenzfähig und damit wechselweise unsichtbar. Die Theorie gehorcht weiterhin der unitären Zeitentwicklung gem. der Schrödingergleichung.

2. Ablehnung der ausschließlich linearen Zeitentwicklung führt u.a. auf die orthodoxe bzw. "Kopenhagener" Interpretation, derzufolge eine "Messung" keinen Vorgang darstellt, der quantenmechanischen Gesetzmäßigkeiten folgt, sondern für dessen "Beschreibung" ein künstlicher Kollaps eingeführt wird, der explizit der linearen, unitären Dynamik der Schrödingergleichung widerspricht. Diese intrinsische Widersprüchlichkeit löst diese Klasse von Interpretationen im wesentlichen dadurch, dass sie den Zustandsvektor nicht als treue Repräsentation des real existierenden Systems betrachtet, sondern rein pragmatisch / instrumentalistisch als Werkzeug, das unser Wissen bzw. unsere Methoden zur Berechnung von Wahrscheinlichkeiten auffasst. Demzufolge "kollabiert in Wirklichkeit nichts"; die Interpretation ist da absolut agnostisch. Und weil da "in Wirklichkeit nichts kollabiert", sondern wir lediglich unser Wissen über das System mittels des Zustandsvektors beschreiben, gibt es da auch keine "Wechselwirkung" im Zuge der Messung und des Kollaps eines verschränkten Systems. Der Kollaps ereignet sich auf dem Papier, nirgendwo sonst; was sich in der "realen Welt" "tatsächlich" ereignet, bleibt uns verborgen und ist nicht Gegenstand der Theorie.

Jetzt kannst du doch entscheiden, welche philosophische Position du einnimmst. (2) und (3) sind jeweils in sich widerspruchsfrei. Die Annahme, die Wellenfunktionen inklusive Kollaps würde das "reale Geschehen" kodieren, führt jedoch tatsächlich zu zwei Widersprüchen, nämlich zum einen intrinsisch (Kollaps vs. Schrödingergleichung) sowie zum anderen zu theoretischen Widersprüchen zur Relativitätstheorie.
elektrolurch3
Gast





Beitrag elektrolurch3 Verfasst am: 28. Okt 2016 12:18    Titel: Re: Informationsübertragung zwischen Beobachtern Antworten mit Zitat

Danke für die Antworten und sorry für die späte meine, ich dachte ich werde per Mail benachrichtigt...

Nescio hat Folgendes geschrieben:
elektrolurch2 hat Folgendes geschrieben:
Immerhin beeinflussen sich durch die Quantenverschränkung zwei raumartig getrennte Ereignisse gegenseitig.


Das sehe ich nicht so, schließlich wird bei der Quantenverschränkung keinerlei Information übertragen. Es ist nur so, dass die Messergebnisse vom Ort A mit denen vom Ort B korreliert sind, was man aber erst erkennen kann, wenn man beide Messergebnisse mit Unterlichtgeschwindigkeit zusammenbringt.


Ok, in Bezug auf "beeinflussen" und "korrelieren" habe ich die Begrifflichkeiten vielleicht etwas unsauber verwendet. (Die Korrelation der Quantenverschränkung sah ich als eine Art Beeinflussung jenseits von Raum, aber nicht -- und das war das Problem -- jenseits der Zeit.) Ich meinte aber letzteres; dass keine Informationsübertragung stattfindet, war mir ja klar.

Zitat:
Man kann mit einer Messung bei A aber in keiner Weise den Ausgang irgendeines Experimentes bei B beeinflussen. (oder besser gesagt, nur durch klassische Übertragung mit Unterlichtgeschwindigkeit)


Das Argument kann ich nicht nachvollziehen grübelnd In meinen Ohren klingt es gerade wie: "Quantenverschränkung (bzw. Nichtlokalität) existiert nicht." Wenn Teilchen A und B miteinander korreliert sind und ein Beobachter A misst, dann ist mit dieser Messung auch der Zustand von B festgelegt. Misst nun ein Beobachter später Teilchen B -- hier der Knackpunkt, weshalb ich das Thema erstellt habe: "später" in welchem Bezugssystem? -- dann erhält er eben das entsprechende Ergebnis. Natürlich können das die beiden Beobachter erst wissen, wenn sie die beiden Ergebnisse durch Informationsübertragung zusammenführen, aber dennoch stehen die Ergebnisse ja schon vorher fest (zumindest, wenn es nur eine Welt gibt).

Zitat:
Ich habe hier etwas interessantes zu dem Thema entdeckt: (Link)

Der Artikel selbst ist nicht wichtig, aber interessant ist der Leserkommentar Nr. 17 von Prof. Dr. Eduard Wirsing.


Bäm! Das hat mir geholfen Prost Jetzt verstehe ich auch, was du meinst, lasse meinen obigen Gedankengang aber dennoch stehen. Ich verstehe das jetzt so:

Die Ergebnisse sind zwar korreliert, aber welcher Beobachter zuerst gemessen hat, hat auf sie trotzdem keine Auswirkung. Selbst, wenn in einem Bezugssystem Beobachter A zuerst misst, in einem anderen jedoch Beobachter B, spiegelt sich die Reihenfolge der Messungen nicht in den Ergebnissen wieder. Insofern lässt sich nachträglich (nicht aus mangelnder Information, sondern prinzipiell) nicht sagen, ob A oder B zuerst gemessen wurde, und deswegen kommt es auch zu keinen Problemen mit der Kausalität. Das ist ziemlich verrückt, aber widerspruchsfrei Thumbs up!

TomS hat Folgendes geschrieben:
Jetzt kannst du doch entscheiden, welche philosophische Position du einnimmst. (2) und (3) sind jeweils in sich widerspruchsfrei. Die Annahme, die Wellenfunktionen inklusive Kollaps würde das "reale Geschehen" kodieren, führt jedoch tatsächlich zu zwei Widersprüchen, nämlich zum einen intrinsisch (Kollaps vs. Schrödingergleichung) sowie zum anderen zu theoretischen Widersprüchen zur Relativitätstheorie.


Ja, die Kopenhagener Deutung funktioniert wohl, aber sie erscheint mir etwas zu schlicht, nach dem Motto "shut up and calculate", nicht? Sie ist vielleicht die pragmatischste Lösung, weshalb sie sich wohl auch durchgesetzt hat -- aber kommt man damit philosophisch ins Reine?

Von Bohm habe ich erst letztens ein Buch gelesen, das klang alles recht plausibel -- ehrlich gesagt hatte ich jedoch nicht die Muße, es bis ins Detail nachzuvollziehen. Ich hatte es für populärwissenschaftlich gehalten und mir etwas einfacher vorgestellt. Weißt du, ob die Theorie falsifizierbar ist?

Die Viele-Welten-Interpretation klingt mir doch eher fantastisch, und hier gibt es definitiv Probleme mit der Falsifizierbarkeit. Vor allem aber kann sie nicht erklären, warum ich als bewusstes Wesen gerade diesen eine Welt erlebe (und im nächsten Moment wieder eine andere), alle anderen jedoch nicht. Die Grenze zwischen Quantenwelt und Makrokosmos wird verschoben zur Grenze zwischen Welt und Bewusstsein, aber sie bleibt trotzdem bestehen und ist so mysteriös wie zuvor. Das ist höchst unbefriedigend, und der Viele-Welten-Interpretation wäre der Agnostizismus der Kopenhagener Deutung m.E. da noch eher vorzuziehen.

Fazit:
Die Nichtlokalität der QM erzeugt keine Widersprüche, weil die verschiedenen Reihenfolgen, in welchen die Messprozesse in verschiedenen Bezugssystemen ablaufen können, trotz Korrelation keine Auswirkungen auf die Messergebnisse haben. Was mit den Quanten wirklich passiert, weiß niemand, und hiermit landet man wieder bei den philosophischen Fragestellungen der QM.

Wenn man schon von "Nichtlokalität" spricht, muss diese, spätestens sobald die RT hinzukommt, aber dann auch verstanden werden als Nichtlokalität in der Zeit, und somit als Vorgänge, die jenseits der Kausalität ablaufen... oder nicht? (Hierbei spreche ich wieder von "Vorgängen", die irgendwie "ablaufen", anstatt mich auf die Messergebnisse zu beschränken... diese Vorstellung legt der Begriff der "Nichtlokalität", welche Teilchen auf Trajektorien im Raum sieht, aber eben nahe.)
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 14064

Beitrag TomS Verfasst am: 28. Okt 2016 15:40    Titel: Antworten mit Zitat

elektrolurch3 hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Man kann mit einer Messung bei A aber in keiner Weise den Ausgang irgendeines Experimentes bei B beeinflussen.

Das Argument kann ich nicht nachvollziehen. In meinen Ohren klingt es gerade wie: "Quantenverschränkung (bzw. Nichtlokalität) existiert nicht." Wenn Teilchen A und B miteinander korreliert sind und ein Beobachter A misst, dann ist mit dieser Messung auch der Zustand von B festgelegt.

Der Beobachter bei B kann einfach nicht feststellen, ob bei A überhauopt gemessen wird oder nicht. Anhand der Messergebnisse bei B alleine kann dies nicht unterschieden werden..

elektrolurch3 hat Folgendes geschrieben:
… aber dennoch stehen die Ergebnisse ja schon vorher fest (zumindest, wenn es nur eine Welt gibt).

Nein.

Die Korrelation beider Resultate bei A und B steht fest, aber das Einzelergebnis (z.B. nur für A) nicht.

elektrolurch3 hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Jetzt kannst du doch entscheiden, welche philosophische Position du einnimmst. (2) und (3) sind jeweils in sich widerspruchsfrei. Die Annahme, die Wellenfunktionen inklusive Kollaps würde das "reale Geschehen" kodieren, führt jedoch tatsächlich zu zwei Widersprüchen, nämlich zum einen intrinsisch (Kollaps vs. Schrödingergleichung) sowie zum anderen zu theoretischen Widersprüchen zur Relativitätstheorie.

Ja, die Kopenhagener Deutung funktioniert wohl, aber sie erscheint mir etwas zu schlicht, nach dem Motto "shut up and calculate", nicht? Sie ist vielleicht die pragmatischste Lösung, weshalb sie sich wohl auch durchgesetzt hat -- aber kommt man damit philosophisch ins Reine?

Sie hat sich durchgesetzt, weil sie die erste war, weil man damit rechnen konnte, und insbs. weil viele Physiker eher Pragmatiker und keine Philosophen sind (und wenn sie Philosophen sind, dann evtl. Positivisten, also auch wieder Pragmatiker). Außerdem war die Gegenposition (z.B. Einstein) auch nicht erfolgreich: er hat Probleme aufgezeigt, aber keine Lösungen.

elektrolurch3 hat Folgendes geschrieben:
Von Bohm habe ich erst letztens ein Buch gelesen, das klang alles recht plausibel -- ehrlich gesagt hatte ich jedoch nicht die Muße, es bis ins Detail nachzuvollziehen. Ich hatte es für populärwissenschaftlich gehalten und mir etwas einfacher vorgestellt. Weißt du, ob die Theorie falsifizierbar ist?

Ich denke nicht, dass die deBroglie-Bohm-Interpretation falsifizierbar ist. Ich habe zwei andere Kritikpunkte:

Zum einen halte ich sie für eine ontologische Katastrophe: sie enthält Teilchen UND Wellenfunktionen; sie ordnet einige Eigenschaften den Teilchen zu (Ort, Impuls), andere der Wellenfunktion (Spin).

Zum zweiten sehe ich nicht, wie sie auf (relativistische) Quantenfeldtheorien mit Teilchenzerfällen usw. angewandt werden kann.

Damit ist sie für mich unattraktiv und ich habe mich nicht weiter damit befasst.

elektrolurch3 hat Folgendes geschrieben:
Die Viele-Welten-Interpretation klingt mir doch eher fantastisch, und hier gibt es definitiv Probleme mit der Falsifizierbarkeit. Vor allem aber kann sie nicht erklären, warum ich als bewusstes Wesen gerade diesen eine Welt erlebe, alle anderen jedoch nicht.

Doch, das kann sie erklären (mittels Dekohärenz). Sie kann jedoch nicht erklären, welche Welt DU genau erlebst, und welche nicht (d.h. welches andere „DU“ in einer anderen Welt die selbe Frage stellt).

elektrolurch3 hat Folgendes geschrieben:
Die Grenze zwischen Quantenwelt und Makrokosmos wird verschoben zur Grenze zwischen Welt und Bewusstsein, aber sie bleibt trotzdem bestehen und ist so mysteriös wie zuvor.

Bewusstsein spielt in der MWI moderner Prägung keine Rolle (nicht Deutsch, many-minds etc.).

Wenn dich das wirklich interessiert, können wir das gerne diskutieren (oder du kannst meine Meinung zu dem Thea hier im Forum nachlesen).

Die MWI hat ihre eigenen Probleme, aber nicht die trivialen, die immer kolportiert werden.

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Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago.
winter



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Beitrag winter Verfasst am: 17. Jun 2017 18:47    Titel: suche nach überzeugender Darstellung Antworten mit Zitat

ich suche noch nach überzeugender Darstellung für die Festlegung der verschränkten Zustände erst durch Messung und vorherige Unbestimmtheit, statt Festlegung im Moment der Erzeugung des Teilenpaars. Bislang überzeugt mich nichts. Festlegung bei Erzeugung tut es auch, wie jene "gelbe Socken" makroskopischer Gedankenexperiment. Suche nach Animationen, die ich vor Jahren mal fand, und nun nicht mehr. Um es noch mal nachzuvollziehen. Weiss jemand?

Bin eher der skeptische Philosoph.

Zum P-m mit SRT, daher habe ich auch keine Angst anzunehmen, dass sie nicht immer gilt und Grenzen ihres Models hat. Schon ART geht ja weiter, umfasst mehr. folglich muss es innerhalb der Geltung der ART Bereiche geben, wo SRT versagt. Sonst würde umgekehrt, SRT die ART einschließen. Und SRT soll ja lokal gelten, nicht einfach übers ganze Universum. Es ergeben sich sonst doch Zeitparadoxa. Das hat man fest runter getrampelt. Sakramente der Physik. Warum sollte SRT auch auf"Quanten gelten? Man hatte keine Hemmungen, "hinter Heisenbergs Unschäfrfe" zwecks Zulassung sehr schwerer "virtueller Kräfteaustauschteilchen" außerhalb der Energie.Masseerhaltung die "normale Physik" einfach auszusetzen. Aber SRT soll unausgesetzt bleiben? Wer hat das übrigens erfunden? Wäre interessant. Ich vermute die Quark-Erfinder. Doch nicht Heisenberg.
TomS
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Beitrag TomS Verfasst am: 17. Jun 2017 22:18    Titel: Re: suche nach überzeugender Darstellung Antworten mit Zitat

winter hat Folgendes geschrieben:
ich suche noch nach überzeugender Darstellung für die Festlegung der verschränkten Zustände erst durch Messung und vorherige Unbestimmtheit, statt Festlegung im Moment der Erzeugung des Teilenpaars. Bislang überzeugt mich nichts. Festlegung bei Erzeugung tut es auch, wie jene "gelbe Socken" makroskopischer Gedankenexperiment.

Die Bellsche Ungleichung zeigt theoretisch, dass beide Annahmen zu unterschiedlichen Messergebnissen führen. Sämtliche bisher durchgeführten Experimente bestätigen die Sicht der Quantenmechanik, dass die Festlegung nicht - wie man klassisch meinen könnte - bereits im Moment der Erzeugung des Teilchenpaars erfolgt, sondern erst durch die Messung. Die Idee der Festlegung im Moment der Erzeugung ist also experimentell falsifiziert.

Die Herleitung der Bellschen Ungleichung ist mathematisch nicht wirklich schwierig, setzt jedoch solide Kenntnisse der Quantenmechanik voraus. Evtl. helfen diese Artikel als Einstieg:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bellsche_Ungleichung
http://www.spektrum.de/lexikon/physik/bellsche-ungleichungen/1382
http://homepage.univie.ac.at/franz.embacher/Quantentheorie/EPR/

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winter



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Beitrag winter Verfasst am: 18. Jun 2017 16:38    Titel: Re: suche nach überzeugender Darstellung Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
winter hat Folgendes geschrieben:
ich suche noch nach überzeugender Darstellung für die Festlegung der verschränkten Zustände erst durch Messung und vorherige Unbestimmtheit, statt Festlegung im Moment der Erzeugung des Teilenpaars. Bislang überzeugt mich nichts. Festlegung bei Erzeugung tut es auch, wie jene "gelbe Socken" makroskopischer Gedankenexperiment.

Die Bellsche Ungleichung zeigt theoretisch, dass beide Annahmen zu unterschiedlichen Messergebnissen führen. e/EPR/


Wesentlich interessanter wäre ein Experiment, das unabhängig von Bellscher Gleichung es zeigen würde. Mathe kann sich auch irren oder einen in die Irre führen. Ich meine es gab so eins. Wollte es wieder finden und finde nicht. Da waren 2 Wege für Photon möglich und man musste durch nachdenken doch feststellen, dass der Photon wohl doch über beide geht und erst bei Messung entscheidet sich welcher Weg. Das wollte ich noch mal nachschauen und nachdenken. Das war eine Animation. Die hatten eine Anzahl solcher Animationen und nun ..
TomS
Moderator


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Beitrag TomS Verfasst am: 18. Jun 2017 17:10    Titel: Re: suche nach überzeugender Darstellung Antworten mit Zitat

winter hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
winter hat Folgendes geschrieben:
ich suche noch nach überzeugender Darstellung für die Festlegung der verschränkten Zustände erst durch Messung und vorherige Unbestimmtheit, statt Festlegung im Moment der Erzeugung des Teilenpaars. Bislang überzeugt mich nichts. Festlegung bei Erzeugung tut es auch, wie jene "gelbe Socken" makroskopischer Gedankenexperiment.

Die Bellsche Ungleichung zeigt theoretisch, dass beide Annahmen zu unterschiedlichen Messergebnissen führen. e/EPR/


Wesentlich interessanter wäre ein Experiment, das unabhängig von Bellscher Gleichung es zeigen würde. Mathe kann sich auch irren oder einen in die Irre führen.

Nee, Mathe kann nicht irren oder in die Irre führen.

Die QM macht auf Basis eines strengen mathematischen Formalismus beweisbar bestimmte Vorhersagen (die Verletzung der Bellschen Ungleichung ist eine solche Vorhersage; es gibt jedoch viele verschiedene). Die Experimente zeigen dann, ob die so abgeleiteten Vorhersagen auf die Natur zutreffen. Und im Falle der QM tun sie das bisher immer. Insofern hat die Bellschen Ungleichung keinen Sonderstatus sondern ist nur eines von vielen Resultaten der QM.

Wenn du dich nicht für klassische vs. nicht-klassische Eigenschaften sondern für "welche-Weg-Informationen" interessierst, dann ist das eine andere Fragestellung und hat mit der Bellschen Ungleichung nichts zu tun. Du solltest stattdessen zunächst über den Doppelspalt nachlesen, anschließend über Wheeler's delayed choice experiment und das Quantum eraser experiment.

(wenn die o.g. Vorhersagen im Rahmen von Experimenten widerlegt würden, hätte uns die Mathematik auch nicht in die Irre geführt; es hätte sich lediglich herausgestellt, dass die mittels Mathematik abgeleiteten Vorhersagen nicht zutreffen; auch das kommt in der Physik vor und zeigt lediglich, das man die angenommene Hypothese verwerfen, verbessern oder anpassen muss; die Mathematik hätte dann nicht in die Irre geführt, sondern geholfen, auf den richtigen Weg zurückzufinden)
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