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TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21442

Beitrag TomS Verfasst am: 07. Apr 2025 07:19    Titel: Antworten mit Zitat

Anura hat Folgendes geschrieben:
Um das festzustellen, muss man erst mal die Definition kennen, die verwendet wird.

Ja.

Die habe ich genannt, und die gesamte Idee dahinter konnte man in dem verlinkten Artikel, aus dem das Zitat stammte, nachlesen.

Anura hat Folgendes geschrieben:
Ich habe Dich jetzt so verstanden:
Wenn es alle Eigenschaften einer Flüssigkeit (gemäß einer bestimmten Definition) hat, aber nicht alle, dann verwendest Du "kann man auffassen als" und wenn es alle Eigenschaften hat "ist".

Ja.

Ich dachte eigtl., dass das aus dem Kontext klar wird, lerne aber, dass ich mich da geirrt hatte.

Anura hat Folgendes geschrieben:
Menschliche Gehirne sind Mustererkennungsmaschinen. Diesen Mustern werden dann Begriffe zugeordnet und die tatsächlichen Eigenschaften von konkreten Flüssigkeiten (Blut, Wasser, Urin, Lava...) reduziert auf das, was die gemäß dieses Musters gemeinsam haben.
Somit sind diese gemeinsamen Eigenschaften dann "Eigenschaften, die man von Flüssigkeiten kennt".

Ja.

Das Problem in der Physik ist, dass diese Mustererkennungsmaschinen oft ungeeignet trainiert sind, insbs. wenn das Training auf Alltagsbegriffen basiert, die in der Physik anders verwendet oder vermieden werden.

Leider kommunizieren viele Physiker tatsächlich sehr schlecht, verwenden die Begriffe unsauber, warnen nicht vor falschen Assoziationen etc.

Anura hat Folgendes geschrieben:
Kann man dann Deiner Meinung nach wenigstens bezüglich dieser Eigenschaft "Viskosität" eine entweder-oder Grenze zwischen Flüssigkeiten und Festkörper oder Fluiden und Feststoffen ziehen?
Im Sinne von "Eine Flüssigkeit hat eine endliche Viskosität" oder "nichtverschwindenden Fluidität"?

Letzteres ja, aber das liefert bei Glas eben gerade kein "entweder-oder" bzgl. Flüssigkeit vs. Festkörper.

Und je mehr ich über derartige Fragen und Diskussionen nachdenke, desto weniger geeignet scheint mir dieser klassifizierende oder taxonomische Ansatz. Das Wesen der Physik – und letztlich der Natur – versteht man dadurch sicher nicht.

Aruna hat Folgendes geschrieben:
Dass es Viskoelastizität als Begriff und Eigenschaft von Materialien gibt, zeigt ja schon, dass das Viskosität und Elastizität in Fachkreisen kein Widerspruch ist.

Das war auch die Quintessenz des von mir zitierten Artikels.

Aruna hat Folgendes geschrieben:
Das ist schon eine ziemlich große, aber endliche Viskosität und eine entsprechend kleine Fluidität., zumindest, bei den Gläsern, bei denen eine signifikante Veränderung gemessen wurde.
Die Frage wäre nun, was bei der gleichen Messung bei einem kristallinen Feststoff rauskäme. Die können ja "kriechen", allerdings wird dann von höheren Drücken, als durch die eigene Schwerkraft gesprochen. Das wäre dann aber ein gradueller Unterschied.

Dann würde man davon sprechen, dass eine Substanz X sich bei hohen Druck teilweise wie eine Flüssigkeit (Definition wird vorausgesetzt – s.o.) verhält.

Google mal nach superionic ice.

Es gibt laut einem Deiner Links, auch Vorschläge die Grenze zwischen Flüssigkeit und und Festkörpern bezüglich der Viskosität bei einer endlichen Viskosität anzusetzen:

Zitat:
Indeed, where do polymers, gels, foams, liquid crystals, powders and colloids fit into this picture? Some people draw no clear general distinction between a solid and a liquid. A solid, they claim, should just be defined as a liquid with a very high viscosity. They set an arbitrary limit of 10^12 Pa s, above which they call it a solid and below which they call it a liquid.

Genau.

Damit lernt man nichts über die Natur, man ordnet sie lediglich in eine von uns bereits vorgedachte Terminologie ein. Das ist teilweise hilfreich, teilweise nicht (Teilchen, Wellen … Photonen … virtuelle Teilchen …)

Aruna hat Folgendes geschrieben:
Analoges könnte man m.E. bei der Einteilung von Atomen in radioaktiv und nicht radioaktiv machen. Sonst sind nach der Theorie alle Atome radioaktiv, und das Adjektiv kann man weglassen, weil es keine zusätzliche Information transportiert.

Siehe oben. Derartige Begriffe sind teilweise hilfreich, teilweise nicht. Im vorliegenden Thread sind sie letzteres, da sich – nach meinem Verständnis – die Fragestellung gerade auf die Grenzfälle bezog. Antworten innerhalb eines begrifflichen Rahmens zu geben, wenn dieser selbst in Frage steht, ist sinnlos.

(Das ist übrigens auch mein Punkt bzgl. der Frage, ob eine KI lügen kann. Die Diskussion führt dann zu der viel interessanteren Schlussfolgerung, die implizit vorhandenen Denkmuster und Begriffe in Zweifel zu ziehen. Das hat schon Platon in den Dialogen seinem Lehrer Sokrates in den Mund gelegt, und das hat seit zweieinhalbtausend Jahren seine Berechtigung ;-)

Aruna hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Letztere sind doch das entscheidende, wie wir das bezeichnen, ist irrelevant. Die Begriffe sind nicht primär, primär sind die objektiven Gegebenheiten, die man oft erst nach langer und mühevoller theoretischer und experimenteller Arbeit versteht, und denen man ganz zuletzt einen Aufkleber, einen Namen verpasst. Der Aufkleber ist aber ohne Verständnis der objektiven Gegebenheiten völlig wertlos, inhaltsleer und ohne jede Bedeutung.

Kommen wir so zusammen?


Wenn Du verstehst, dass ich nie eine andere Meinung vertrat, ja.

👍

Aruna hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Anura hat Folgendes geschrieben:
... sondern die Aussage "Glas ist eine Flüssigkeit" wäre (im Kontext dieser Definitionen) richtig.

Ja.

Und die Aussage, "Glas ist ein Festkörper", wäre dann ebenfalls richtig.

Spätestens jetzt fassen sich manche a den Kopf und fragen sich, ob wir hier ein Rad abhaben.


Warum sollten sich Leute in einem Physikerboard das fragen?

Was genau? Fragen nach den Definitionen, oder ob wir hier ein Rad abhaben?

Nach meiner Beobachtung fragen durchaus einige, nachdem sie sich zuvor auf Begriffe und Darstellungen eingelassen haben, die nicht förderlich für das Verständnis waren. Die Aufgabe besteht dann zunächst darin, zu erklären, dass sie sich auf einem Irrweg befinden, ohne daran die Schuld zu tragen.


Aruna hat Folgendes geschrieben:

TomS hat Folgendes geschrieben:

Deswegen schrieb ich …
Zitat:
... man kann es [Glas] als Flüssigkeit oder als Festkörper auffassen, je nachdem welche Eigenschaften interessieren oder welche Experimente man durchführt.

Der Begriff "Flüssigkeit" erhält erst durch diese Praxis eine physikalische Bedeutung; und diese kann von der landläufigen Meinung abweichen, denn er schließt nicht unbedingt "kein Festkörper" ein.

Siehst du das auch so?


weiß ich nicht, weil ich nicht sicher bin, ob ich das verstehe.
Eventuell ist es gleichbedeutend damit, dass ich meine, dass es von der Definition abhängt und die Definition sollte natürlich so gewählt sein, dass die die gemeinsamen Eigenschaften bekannter Flüssigkeiten abdeckt.

Es geht nicht nur um die Definitionen sondern auch um die Praxis.

1. Definiert man Flüssigkeiten mittels der Viskosität und Festkörper mittels Elastizität, so ändert das evtl. nichts an dem Vorurteil, Flüssigkeit und Festkörper schlössen sich gegenseitig aus. Das steht zwar nicht in der Definition, hat sich aber evtl. als vermeintliches Wissen verfestigt, und die Definitionen werden dann aus dieser Perspektive gelesen und verzerrt oder verfälscht verstanden. Zumindest sehe ich diese Gefahr.

Die Begriffe Welle und Teilchen sind vermutlich klar, aber der Begriff Welle-Teilchen-Dualismus ist es nicht: ist das nun ein sowohl-als-auch? ein entweder-oder? oder ein weder-noch?

2. Die Praxis der Quantenmechanik zeigt letztlich, dass der Begriff Schrott ist. Der Begriff des Quantenobjektes bezeichnet die Summe all dessen *), was wir berechnen, präparieren und messen, er lässt sich am besten durch die Sprache der Mathematik der Quantenfeldtheorie erfassen. Erst diese physikalische Praxis verleiht den physikalischen Begriffen ihren eigentlichen Sinn. Ohne diese Praxis bleibt von den Begriffen nur die umgangssprachliche Bedeutung, und damit wird Verständnis suggeriert, das überhaupt nicht vorhanden ist.

Sagt ein Physiker "Teilchen", so meint er letztlich genau das (*).

Leider kommunizieren Physiker häufig sehr schlecht. Wenn sie einen Begriff verwenden, vergessen sie oft, dass dieser erst über Jahre für sie eine Bedeutung gewonnen hat, die das Wort alleine nicht transportiert. Evtl. ist der Begriff noch nicht mal in der Fachwelt wirklich klar.

Zitat:
This violation must, presumably, be caused by a flux of negative energy across the event horizon which balances the positive energy flux emitted to infinity. One might picture this negative energy flux in the following way. Just outside the event horizon there will be virtual pairs of particles, one with negative energy and one with positive energy. The negative particle is in a region which is classically forbidden but it can tunnel through the event horizon to the region inside the black hole where the Killing vector which represents time translations is spacelike.

Daraus hat sich der Sprachgebrauch entwickelt, Hawkingstrahlung entstehe aus virtuellen Teilchen. Tatsächlich ist bereits die Verwendung des Begriffs durch Hawking falsch: Als virtuelle Teilchen bezeichnet man die inneren Linien in Feynman-Diagrammen; nun betrachtet Hawking jedoch die freie Theorie, daher existieren in seinem Modell keine inneren Linien und keine virtuellen Teilchen. Dennoch wird Hawkingstrahlung oft so "erklärt". Darüberhinaus erklärt diese vermeintliche Erklärung nichts, sie ersetzt nur ein Wort durch ein anderes.

Die Praxis besteht nun darin, QFT zu lernen und das Paper von Hawking zu lesen. Das Paper ist übrigens exzellent, der oben kritisierte Sprachgebrauch tut dem keinen Abbruch.

_________________
Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago.
Anura
Gast





Beitrag Anura Verfasst am: 09. Apr 2025 23:59    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:

Die Begriffe Welle und Teilchen sind vermutlich klar, aber der Begriff Welle-Teilchen-Dualismus ist es nicht: ist das nun ein sowohl-als-auch? ein entweder-oder? oder ein weder-noch?


Der Begriff beschreibt m.E. ein Dilemma, das zur Entwicklung der Quantenmechanik geführt hat.
Ganz gelöst ist das Dilemma aber noch nicht, Stichwort Messproblem.

TomS hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
This violation must, presumably, be caused by a flux of negative energy across the event horizon which balances the positive energy flux emitted to infinity. One might picture this negative energy flux in the following way. Just outside the event horizon there will be virtual pairs of particles, one with negative energy and one with positive energy. The negative particle is in a region which is classically forbidden but it can tunnel through the event horizon to the region inside the black hole where the Killing vector which represents time translations is spacelike.

Daraus hat sich der Sprachgebrauch entwickelt, Hawkingstrahlung entstehe aus virtuellen Teilchen. Tatsächlich ist bereits die Verwendung des Begriffs durch Hawking falsch: Als virtuelle Teilchen bezeichnet man die inneren Linien in Feynman-Diagrammen; nun betrachtet Hawking jedoch die freie Theorie, daher existieren in seinem Modell keine inneren Linien und keine virtuellen Teilchen. Dennoch wird Hawkingstrahlung oft so "erklärt". Darüberhinaus erklärt diese vermeintliche Erklärung nichts, sie ersetzt nur ein Wort durch ein anderes.


Naja, einen gewissen Aspekt der Idee transportiert das Bild ja durchaus.
Den Aspekt der negativen Energie.
Wie kann aus einem schwarzen Loch etwas entkommen?
Man teilt Nichts auf in positive und negative Energie. Fällt die negative in ein SL bleibt die positive draußen über.
Diese "virtuellen Teilchenpaare" die zur Veranschaulichung bemüht werden, scheinen sich von den virtuellen Teilchenpaaren, die manche aus "Vakuumfluktuationen" rauslesen, dergestalt zu unterscheiden, dass bei letzterem ja beide positive Energie haben, die sie sich gemäß einer "Energie-Zeit-Unschärfe" aus dem Vakuum ausborgen und dann wieder zurückgeben.

TomS hat Folgendes geschrieben:

Die Praxis besteht nun darin, QFT zu lernen und das Paper von Hawking zu lesen.


Offenbar gibt es auch den Ansatz, Letzteres ohne Ersteres zu tun...
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21442

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Apr 2025 00:12    Titel: Antworten mit Zitat

Anura hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
This violation must, presumably, be caused by a flux of negative energy across the event horizon which balances the positive energy flux emitted to infinity. One might picture this negative energy flux in the following way. Just outside the event horizon there will be virtual pairs of particles, one with negative energy and one with positive energy. The negative particle is in a region which is classically forbidden but it can tunnel through the event horizon to the region inside the black hole where the Killing vector which represents time translations is spacelike.

Daraus hat sich der Sprachgebrauch entwickelt, Hawkingstrahlung entstehe aus virtuellen Teilchen. Tatsächlich ist bereits die Verwendung des Begriffs durch Hawking falsch: Als virtuelle Teilchen bezeichnet man die inneren Linien in Feynman-Diagrammen; nun betrachtet Hawking jedoch die freie Theorie, daher existieren in seinem Modell keine inneren Linien und keine virtuellen Teilchen. Dennoch wird Hawkingstrahlung oft so "erklärt". Darüberhinaus erklärt diese vermeintliche Erklärung nichts, sie ersetzt nur ein Wort durch ein anderes.


Naja, einen gewissen Aspekt der Idee transportiert das Bild ja durchaus.

...

Diese "virtuellen Teilchenpaare" die zur Veranschaulichung bemüht werden, scheinen sich von den virtuellen Teilchenpaaren, die manche aus "Vakuumfluktuationen" rauslesen, dergestalt zu unterscheiden, dass bei letzterem ja beide positive Energie haben, die sie sich gemäß einer "Energie-Zeit-Unschärfe" aus dem Vakuum ausborgen und dann wieder zurückgeben.

Man kann natürlich irgendwelche Begriffe neu lesen oder leicht anders auffassen, aber geschickt ist das nicht (man könnte auch diese "Veranschaulichungen" in das Paper hineinlesen, obwohl die Gleichungen es nicht hergeben; aber wozu?)

Das Problem ist zunächst nicht, dass ersteres – "virtuellen Teilchenpaare" – so in dem Paper steht, denn wer bis dahin durchgehalten hat, weiß sehr genau, was Hawking meint. Verwendet man aber in anderen "Erklärungen" nur diesen Begriff, und geht der Rest der Informationen des Papers verloren, so wird der nicht weiter informierte Leser die "virtuellen Teilchen a la Hawking" mit den "virtuellen Teilchen a la QFT" identifizieren; das ist falsch, passiert aber immer wieder.

Mir ging es ja eigentlich nur um ein Beispiel für meine Aussage "leider kommunizieren Physiker häufig sehr schlecht. Wenn sie einen Begriff verwenden, vergessen sie oft, dass dieser erst über Jahre für sie eine Bedeutung gewonnen hat, die das Wort alleine nicht transportiert".

Ich ertappe mich doch selbst dabei, dass ich "Photon" o.ä. schreibe, einfach weil es kurz und knapp zusammenzufassen scheint, was ich gerade meine, aber tatsächlich mag der Leser ja gerade eine ganz andere Idee von "Photon" haben ...
Anura
Gast





Beitrag Anura Verfasst am: 10. Apr 2025 08:18    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:

Man kann natürlich irgendwelche Begriffe neu lesen oder leicht anders auffassen, aber geschickt ist das nicht


Um objektiv beurteilen zu können, ob eine Handlung/Vorgehensweise "geschickt" ist, oder nicht, müsste man m.E. wissen, welches Ziel derjenige verfolgt, der dies Handlung durchführt und quantifizieren, in welchem Maße die Handlung geeignet ist, dieses Ziel zu erreichen.
Dann könnte man diese Handlung in Bezug auf der Eignung, das konkretisierte Ziel zu erreichen, auch objektiv vergleichen, mit anderen Handlungen/Vorgehensweisen.

TomS hat Folgendes geschrieben:

(man könnte auch diese "Veranschaulichungen" in das Paper hineinlesen, obwohl die Gleichungen es nicht hergeben; aber wozu?)


Hawking selbst hatte wohl irgendeinen Grund, das da reinzuschreiben.
Hast Du eine Idee, welcher das gewesen sein könnte?


TomS hat Folgendes geschrieben:

Verwendet man aber in anderen "Erklärungen" nur diesen Begriff, und geht der Rest der Informationen des Papers verloren, so wird der nicht weiter informierte Leser die "virtuellen Teilchen a la Hawking" mit den "virtuellen Teilchen a la QFT" identifizieren; das ist falsch, passiert aber immer wieder.


Hawking ist ja nicht zuletzt deshalb außerhalb der Fachwelt populär, weil er populärwissenschaftliche Bücher schrieb.
In einem schreibt er nach meiner Erinnerung explizit, dass ihm der Herausgeber sagte, dass jede verwendete mathematische Formel den Verkaufserfolg einschränke.
Wie willst Du den wesentlichen Inhalt des Papers an eine solche Zielgruppe transportieren?

TomS hat Folgendes geschrieben:

Mir ging es ja eigentlich nur um ein Beispiel für meine Aussage "leider kommunizieren Physiker häufig sehr schlecht.


Untereinander oder gegenüber "Laien"?
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21442

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Apr 2025 08:33    Titel: Antworten mit Zitat

Die Intention von Hawking kenne ich nicht, und ich kann ihn auch nicht mehr fragen.

Um eine einfache Erklärung zu liefern, muss man nicht
a) auf unanschauliche Begriffe wie "virtuelle Teilchen" zurückgreifen, die der nicht eingeweihte Leser eh nicht verstehen kann, und
b) diese auch noch falsch verwenden, wobei 'falsch' sich auf den Kontext bezieht, in dem der Begriff üblicherweise verwendet wird.

Anura hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Mir ging es ja eigentlich nur um ein Beispiel für meine Aussage "leider kommunizieren Physiker häufig sehr schlecht.

Untereinander oder gegenüber "Laien"?

Gegenüber Laien.

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Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago.
Manuel_91



Anmeldungsdatum: 20.07.2024
Beiträge: 725

Beitrag Manuel_91 Verfasst am: 10. Apr 2025 10:53    Titel: Antworten mit Zitat

Weizsäcker schrieb mal, dass man - wenn man mit Physikern spricht - einfach bedenken muss, dass in der Physik Begriffe nicht sauber verwendet werden und die Physiker untereinander den unsauberen Sprachgebrauch halt gewöhnt sind (ein Physiker versteht schon einen anderen, auch wenn die Begriffe schlampig verwendet werden). Kann man so sehen, dann muss man aber die sauberen Begriffe (philosophische) von der Physik abkapseln und einfach in der Philosophie mit den physikalischen Berechnungen arbeiten.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21442

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Apr 2025 11:55    Titel: Antworten mit Zitat

Manuel_91 hat Folgendes geschrieben:
Weizsäcker schrieb mal, dass man - wenn man mit Physikern spricht - einfach bedenken muss, dass in der Physik Begriffe nicht sauber verwendet werden und die Physiker untereinander den unsauberen Sprachgebrauch halt gewöhnt sind (ein Physiker versteht schon einen anderen, auch wenn die Begriffe schlampig verwendet werden). Kann man so sehen ...

Wenn Physiker miteinander reden, sind umgangssprachliche Begriffe sekundär.

Primär und sauber definiert sind Experimente, Messdaten, mathematische Begriffe und Gleichungen ...
Menthor
Gast





Beitrag Menthor Verfasst am: 10. Apr 2025 21:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ich wollte mich auch nochmal kurz melden.
Ich glaube ich habe jetzt verstanden.


Also man kann keine ganz klar definierte Grenze ziehen und sagen wenn in X Jahren nichts passiert ist, dann wir auch nach unendlicher Zeit nichts passieren, weil der Zeitraum in dem bisher nichts passiert ist schon so lang ist. Man kann nur sagen das bis zu diesem extrem langen Zeitraum nichts passiert ist.

Deswegen gelten dann ab einer gewissen Zeitspanne ohne einen einzigen nachgewiesenen Zerfall bestimmte Elemente als stabil, denn das hat man wirklich erforscht und damit eine Grenze festgelegt ab der es als stabil gilt. Das bedeutet aber nicht, das nicht doch irgendwann ein Atom zerfallen wird.

Anders ist es bei den Phasenumwandlungen und Ausscheidungsbildunge etc. in Metallen.
Hier wird vieles postuliert aus Erfahrungen und Experimenten heraus.
Ein das passiert hier niemals gibt es nicht.
Wenn ein Metallurge sagt diese Legierung bildet in 500 Jahren kein Martensit dann bedeutet das nicht das sich überhaupt gar nichts bildet, sondern es bedeutet nur, das die Menge die sich bildet so dermaßen gering(s)t ist, dass es absolut nicht relevant ist.

Ich hatte einen Forscher an einer Uni für Materialwissenschaften dazu gefragt wie man dann solche Aussagen tätigen kann das "nichts" passiert, bzw. wie man abschätzen kann wie viel passieren wird.

Hier die Antwort:
Tunneleffekt
Den gibt es und ich nutze ihn gewissermaßen regelmäßig für unsere Forschung. Das hochauflösende Rasterelektronenmikroskop an dem ich häufig arbeite hat eine sogenannte Feldemissionskathode bei der die Elektronen durch den Tunneleffekt emittiert werden. Das hat große Vorteile für die Auflösung des Mikroskops gegenüber anderen Quellen bei denen man die Elektronen allein durch Heizen einer Wolfram-Nadel erzeugt.

In Festkörpern kann man den Tunneleffekt aber für Stofftransport vernachlässigen, bzw. beschreibt man den durch chemische Triebkräfte verursachten Stofftransport wie z.B. bei Phasenumwandlungen eben über Diffusion und nicht über ein Tunnel-Modell.

Viele Grüße,

Damit können dann also die Abschätzungen gemacht werden.
Das passt auch zu einer der Aussagen ganz am Anfang.
Das immer was passiert. Die Frage nur ist wie viel.

Und ich verstehe jetzt auch warum man keine klare Grenze zwischen völlig stabil und nur stabil für Zeit X ziehen kann.

Danke euch!
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21442

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Apr 2025 21:47    Titel: Antworten mit Zitat

Menthor hat Folgendes geschrieben:
Ich wollte mich auch nochmal kurz melden.
Ich glaube ich habe jetzt verstanden.

Danke für deine Rückmeldung 👍

Menthor hat Folgendes geschrieben:
Also man kann keine ganz klar definierte Grenze ziehen und sagen wenn in X Jahren nichts passiert ist, dann wir auch nach unendlicher Zeit nichts passieren, weil der Zeitraum in dem bisher nichts passiert ist schon so lang ist. Man kann nur sagen das bis zu diesem extrem langen Zeitraum nichts passiert ist.

Deswegen gelten dann ab einer gewissen Zeitspanne ohne einen einzigen nachgewiesenen Zerfall bestimmte Elemente als stabil, denn das hat man wirklich erforscht und damit eine Grenze festgelegt ab der es als stabil gilt. Das bedeutet aber nicht, das nicht doch irgendwann ein Atom zerfallen wird.

Gut zusammengefasst.

Menthor hat Folgendes geschrieben:
Ich hatte einen Forscher an einer Uni für Materialwissenschaften dazu gefragt … Hier die Antwort …

Danke auch für die Rückmeldung aus der Praxis.

Menthor hat Folgendes geschrieben:
Und ich verstehe jetzt auch warum man keine klare Grenze zwischen völlig stabil und nur stabil für Zeit X ziehen kann.

Danke euch!

Sehr gerne!

_________________
Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago.
Menthor
Gast





Beitrag Menthor Verfasst am: 11. Apr 2025 09:18    Titel: Antworten mit Zitat

Eine positive Rückmeldung ist das Mindeste wenn sich schon jemand die Mühe macjt die Fragen zu beantworten.
Mich hatte am Anfang vor allem die eine Antwort irritiert, dass stets eine Umwandlung statt findet, wenn auch nur in sehr begrenztem Maß.
Weiß nicht mehr wer genau es gepostet hatte.

Im Falle der Ausscheidungsbildung oder der Marzensitumwandlung tut sich laut Metallurge für Zeiträume von Jahrhunderten nichts, oder zumindest nichts in einer Menge die irhendwie relevant wäre.
Um Veränderungen sichtbar zu machen, braucht man in so einem Fall absolute High End Messgeräte.

Also nochmals Danke!

Rock
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