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Why Bohmian Mechanics? - Seite 2
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A.Neumaier
Gast





Beitrag A.Neumaier Verfasst am: 18. Aug 2024 10:41    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
B) Kann mir jemand aus diesen Sackgassen heraushelfen? Kennt jemand ein entsprechendes Paper?

Nein. Bohmianer denken nicht so. Sie meinen, sie haben eine eierlegende Wollmilchsau; das reicht für ihren Lebensunterhalt (aka 2-3 Publikationen pro Jahr und Forscher). Für Geflügel, Brot, Obst und Gemüse interessieren sie sich nicht, das ist für die andern.... Wirft man ihnen Vitaminmangel vor, so weisen sie das als Unterstellung zurück, mit dem Argument, dass ihre Theorie ja äquivalent zur Quantenmechanik sei.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21443

Beitrag TomS Verfasst am: 18. Aug 2024 10:51    Titel: Antworten mit Zitat

So schlimm?
_________________
Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago.
Sonnenwind



Anmeldungsdatum: 25.04.2022
Beiträge: 906

Beitrag Sonnenwind Verfasst am: 18. Aug 2024 11:35    Titel: Antworten mit Zitat

Bevor ich Kritik an der BM akzeptiere, muss erstmal geklärt werden, was die BM eigentlich leisten soll.

Für mich ist das in erster Linie eine realistische Teilchenontologie und erst in zweiter Linie (oder überhaupt nicht) Determinismus.

Dass die QFT keine Teilchen enthält ist Quatsch, denn man misst ja Teilchen. Und wenn die Teilchen nur komprimierte Wellen sind, dann bezeichne ich sie trotzdem als Teilchen, weil das der Alltagsbegriff ist.

Nun zu den Unklarheiten. So wie ich es verstehe ist der Grundstoff der QFT der Fockraum, ich Falle von Elektron/Position F = Summe(m,n) a_mn(t) |mn>, wobei m die Anzahl der Elektronen und n die Anzahl der Positronen ist.

Meine Fragen:

1) Wie folgt der Fockraum als Lösung aus der Dirac-Gleichung?

2) Soll ich den Fockraum "bohmisieren"? Ist das dann die Lösung?

_________________
Das Photon: Eine Geschichte voller Missverständnisse.
Jakito



Anmeldungsdatum: 30.05.2024
Beiträge: 162

Beitrag Jakito Verfasst am: 18. Aug 2024 13:59    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
Danke für die Darstellung.

Je mehr ich lese, desto mehr verstärkt sich der Eindruck, dass die ganze Suche nach einer nützlichen Interpretation im ursprünglich Bohmschen Sinne irgendwo falsch abgebogen ist. Ich versuche mal meine grundsätzliche Erwartungshaltung darzustellen:
Danke für die Reaktion.

Ich bin jedoch kein Bohmianer, und habe noch nichtmals den SEP Artikel "Bohmian Mechanics" von Sheldon Goldstein gründlich durchgelesen. Was ich tatsächlich von S. Goldstein gelesen habe, und was ich nur erfolglos versucht habe zu lesen, habe ich hier beschrieben:
https://www.physicsforums.com/threads/ontology-is-to-quantum-theory-what-hardware-is-to-computation-theory.1052331/post-6895298
So wertvoll die Beiträge von Dürr, Tumulka, Goldstein & co. auch sind, als "echte" Bohmianer sind sie in manchen Bereichen leider blind. Deshalb muss man wohl auch nicht-Bohmianer wie Nicolas Gisin (siehe mein initialer Post), Franck Laloë oder auch Lev Vaidman lesen ("I have a very high opinion of Lev Vaidman, and I adore his courage to tell other ..."), um ein Gefühl zu bekommen, was tatsächlich hinter BM stecken könnte:
https://arxiv.org/abs/1405.4222 ("Quantum Theory and Determinism" von Lev Vaidman, insbesondere "X. MULTIPLE BOHMIAN WORLDS")

Aber frag Dich erstmal selber, ob Du wirklich diese Zeit investieren willst. Wie gesagt, ich selbst habe bei den >70 Seiten Papers von Goldstein&co schnell aufgegeben. Und wenn Du wirklich die Zeit investieren willst, frage Dich auch, was Dein Ziel ist. Willst Du danach wirklich versuchen, Leuten wie Brickmont oder Tumulka ihre blinden Flecken zu erklären? Das muss doch schief gehen! Und danach wirst Du nur so frustriert sein, wie A. Neumaier, wenn es um BM geht.

TomS hat Folgendes geschrieben:
Ich hätte gerne eine realistische Interpretation der Quantentheorie inkl. der Verknüpfung zwischen Theorie und Experiment.
Meine eigenen Ziele sind etwas geringer. Ich will nur für die jeweiligen Interpretationen verstehen, wie der Formalismus selbst funktioniert, was die Interpretation selbst als ihre Ontologie betrachtet, und wie die Interpretation die Verknüpfung zum Experiment herstellt. (Und auch, wie verschiedene Interpretationen sich unterscheiden, und wie sie dann doch wieder zusammen hängen.)

TomS hat Folgendes geschrieben:
1) Modelle mit externen Feldern sind für eine fundamentale Sicht völlig nutzlos; es muss vom Prinzip her möglich sein, das System vollständig zu modellieren. Trajektorien Bohmscher Teilchen in einem Führungsfeld, das ausschließlich aus externen Potentialen (Doppelspalt mit unendlich hohen Wänden, Coulomb-Potential …) abgeleitet wird, sind eine Sackgasse, wenn mit die Interpretation nicht sagt, was geschieht, wenn ich diese externen Felder mittels echter Vielteilchen-Systeme modellieren.
Naja, "völlig nutzlos" ist ein wenig stark. Es geht doch beides, sowohl die Modelierung mittels externen Feldern verwenden können, und für den Fall dass Quanteneffekte der Felder relevant werden, sie ebenfalls in die Modelierung aufnehmen zu können.

TomS hat Folgendes geschrieben:
2) Die Bohmsche Mechanik verwendet Teilchen und kann daher auch lokalisierte Detektionen ansatzweise erklären; sie erklärt dabei zwar nicht den Messprozess selbst, jedoch die Tatsache, dass ein Teilchen dabei – trivialerweise – immer lokalisiert gemessen wird, da es immer lokalisiert ist.
Frag mal lieber die nicht-Bohmianer, ob es wirklich so einfach und trivial ist:
https://arxiv.org/abs/1207.0793 ("Position Measurements in the de Broglie - Bohm Interpretation of Quantum Mechanics" von Gillie Naaman-Marom, Noam Erez, Lev Vaidman)

TomS hat Folgendes geschrieben:
Bevor ich mich mit der Interpretation befasse, hätte ich gerne einen Formalismus gesehen, der (1) und (2.a|b) adressiert, so dass ich ihn interpretieren kann.
Ich würde Dir raten, Dich lieber nicht mit BM zu befassen, solange Du keine konkreten Ziele hast, was Du dabei lernen und mitnehmen willst.

TomS hat Folgendes geschrieben:
Fragen
A) Bin ich selbst irgendwo falsch abgebogen?
B) Kann mir jemand aus diesen Sackgassen heraushelfen? Kennt jemand ein entsprechendes Paper?
Deine Ziele erscheinen mir gefährlich unkonkret. Es wäre vermutlich klüger, konkreter zu überlegen, was Du mit Sonnenwind oder mir diskutieren willst, in Bezug auf BM.

TomS hat Folgendes geschrieben:
C) Wenn (2b), wäre das nicht ziemlich äquivalent zur Fragestellung der TI?
Ich persönlich glaube, dass BM und TI mit vollkommen verschiedenen Mechanismen arbeiten müssen, um zu einer Lokalisierung zu kommen. Ich glaube, beide können sie erreichen, aber letztendlich ist ihre Bedeutung sehr verschieden.

(Ich bin dann erstmal weg.)
A.Neumaier
Gast





Beitrag A.Neumaier Verfasst am: 18. Aug 2024 15:08    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
So schlimm?

Man lernt aus ihnen keine Physik, nur philosophischen bzw. Bohmschen Unterbau, wofür Ockham Rasiermesser gedacht ist.

Für alles Physikalische müssen sie darauf verweisen, dass das ja folgt, nachdem aus dem Quantengleichgewicht die Äquivalenz zur normalen Quantenphysik folgt. Es hat mich damals veil Mühe gekostet, zu dieser enttäuschenden Schlussfolgerung zu kommen. In den 20 Jahren seither hat sich nichts wesentliches geändert.
A.Neumaier
Gast





Beitrag A.Neumaier Verfasst am: 18. Aug 2024 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
Dass die QFT keine Teilchen enthält ist Quatsch, denn man misst ja Teilchen.

Im Hilbertraum einer wechselwirkenden relativiatischen QFT lässt sich (im Unterschied zur freien oder nichtrelativistischen Theorie) wegen Haags Theorem kein Teilchenoperator mehr definieren. Teilchen sind daher in der QFT keine dynamischen Objekte, sie treten nur in Streuzuständen der S-Matrix auf, also für t= plus/minus unendlich.
Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
Nun zu den Unklarheiten. So wie ich es verstehe ist der Grundstoff der QFT der Fockraum,

Nur in einer freien oder nichtrelativistischen QFT.
Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
1) Wie folgt der Fockraum als Lösung aus der Dirac-Gleichung?

Durch eine Art von Halbieren des 1-Teilchenraums in zwei orthogonale Teilräume H_+ und H_-. Man behandelt die Lösungen negativer Energie anders als die mit positiver Energie, das gibt Positronen und Elektronen. Dann braucht man noch Photonen. Dazu nimmt man den Raum der Lösungen der freien Maxwell-Gleichungen, und splittet den auch auf; diesmal nimmt man aber nur H_+, weil die Photonen ihre eigenen Antiteilchen sind. aus diesen drei Räumen bildet man Fockräume und deren Tensorprodukt. Damit hat man den Fockraum für QED mit Elektronenladung e=0.

Will man den Hilbertraum für e>0 (ohne die üblichen Divergenzen bei naivem Vorgehen) bekommen, so wird der Fockraum durch die Renormierung deformiert, der Teilchenzahloperator überlebt diese Deformation nicht, die Teilcheninterpretation geht daher verloren (ausser in der S-Matrix). Ausserdem gibt es eine Unzahl von Superselektions-Sektoren, für jede asymptotische Ladungsverteilung im Unendlichen eine, die man mitverstehen muss, damit man eine korrekte Dynamik bekommt.
Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
2) Soll ich den Fockraum "bohmisieren"? Ist das dann die Lösung?

Das müssten Ihnen die Bohmianer sagen können, sie wissen es aber mangels Kenntnissen in der relativistischen QFT nicht.

Nikolic z.B. nimmt einfach den Fockraum der Klein-Gordon-Gleichung (ohne die notwendige Halbierung) und bohmisiert den. Das reproduziert aber keine relativistische Feldtheorie. Er merkt es nicht, weil er sich gar nicht die Mühe macht, alles präzise genug hinzuschreiben! Selbstkritisches Denken ist keine Stärke der Bohmianer!

Die eierlegende Wollmilchsau, als die Sie mal die Bohmsche Mechanik hingestellt haben, produziert also keine der für die Physik lebenswichtigen Vitamine!
A.Neumaier
Gast





Beitrag A.Neumaier Verfasst am: 18. Aug 2024 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

A.Neumaier hat Folgendes geschrieben:
Selbstkritisches Denken ist keine Stärke der Bohmianer!

Ein instruktives Beispiel ist die noch ganz neue Arbeit

A. Valentini, The trouble with pilot-wave theory: A critical evaluation, August 2024. arXiv:2408.05403

Sie evaluiert kritisch, aber eben nicht selbst-kritisch die Einwände gegen Bohmsche Mechanik. Kritisch zu sein bedeutet bei ihm nur Rechtfertigung gegen Kritik! Section 2.5 ist über QFT, aber (wie auch sonst in der diesbezüglichen Literatur der Bohmianer, das Wichtisgste wird in der Arbeit zitiert) es werden nur die Gleichungen hingeschrieben, nicht einmal geschaut, ob sie Sinn machen - es wird nämlich mit ihnen gar nichts weiter getan.

Sie stellen schöne neue Autios her, ohne jemals darin zu fahren! Weil man dann sehen würde, dass es blossse Kulisse ist, und sie nicht einmal einen Führerschein haben!

Daher fällt ihnen nicht auf, dass mit der Renormierung alles steht und fällt. Renormierbarkeit wird von Valentini nur in einem Nebensatz (auf S.20 unten) erwähnt, der anscheinend belegen soll, dass das heute ja irrelevent sei.

Auch die ebenso neue Arbeit

Hatifi, M. (2024). Relativistic Bohmian mechanics revisited: A covariant reformulation for spin-1/2 particles. Physics Letters A, 518, 129680.

enthält kein Wort davon, dass relativistische Quantenmechanik seit 70 Jahren (Nobelpreis für QED) QFT bedeutet und nicht die 1-Teilchen Dirac-Gleichung, die hier bohmisiert wird. Schöne Bildchen in 1+1D zu machen reicht für Publikationen, aber nicht für mehr....
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21443

Beitrag TomS Verfasst am: 18. Aug 2024 16:59    Titel: Antworten mit Zitat

Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
Bevor ich Kritik an der BM akzeptiere, muss erstmal geklärt werden, was die BM eigentlich leisten soll.

Mein Wunsch dazu steht oben.

Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
Für mich ist das in erster Linie eine realistische Teilchenontologie …

Warum zwingend eine Teilchenontologie?

Die Ableitung der Schrödingergleichung fußt auf dem Hamilton-Jacobi-Formalismus. Auch deswegen darf man auf die Idee kommen, im Schritt von der QM zur BM wieder Teilchen einzuführen. Aber wenn man von einer Feldtheorie zu einer Quantenfeldtheorie übergehe, erwarte ich persönlich eben keine Teilchen* in einer bohmschen Quantenfeldtheorie. Deswegen habe ich das in (2) offengelassen.


Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
Dass die QFT keine Teilchen enthält ist Quatsch, denn man misst ja Teilchen.

Nein, man misst keine Teilchen! Man erhält Detektorsignale etc., also kollektive, lokalisierte Ereignisse, aber keine Teilchen im Sinne eines x(t).

Außerdem ist das, was man misst, nicht die Antwort auf die Frage, wie die QFT die Messung erklärt; es ist die Frage!

Der Formalismus der QFT enthält keine Teilchen mit Koordinaten x(t) im bohmschen Sinn. Ich finde da Feldoperatoren, Zustandsvektoren etc., aber nichts Teilchenartiges. Deswegen muss ich entweder Teilchen künstlich in den Formalismus einführen, wie das nicht der nicht-rel. BM gemacht wurde, oder ich muss mathematische Objekte in der QFT finden, die ich als Teilchen interpretieren kann, bzw. aus denen ich teilchenartige Eigenschaften zurückgewinne.

Da ich nichts dergleichen erkennen kann, frage ich nach Quellen, die diesen Schritt von der Quantenfeldtheorie zu einer bohmschen Quantenfeldtheorie erklären.


Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
So wie ich es verstehe ist der Grundstoff der QFT der Fockraum …

In vielen Fällen ja, aber evtl. ist das nicht der richtige Ansatzpunkt. Die axiomatische Quantenfeldtheorie geht das z.B. anders an.

Sonnenwind hat Folgendes geschrieben:
Meine Fragen:

1) Wie folgt der Fockraum als Lösung aus der Dirac-Gleichung?

2) Soll ich den Fockraum "bohmisieren"? Ist das dann die Lösung?

Zu 1) Siehe Standard-Literatur, können wir gerne in einem anderen Thread durchgehen. Und siehe natürlich Prof. Neumaiers Antwort.
Zu 2)
Das weiß ich nicht**, ich hatte die Fragen (1) und (2.a) sowie (2.b) formuliert, die für mich auf der Hand liegen und die seitens der Bohmschen Mechanik unbeantwortet sind. Ich frage einfach nach Quellen, die Antworten dazu enthalten.

* ich glaube schon alleine deswegen nicht an eine Teilchenontologie, weil punktförmige Teilchen in jedem mir bekannten physikalischen Kontext eine Idealisierung sind: in der Newtonschen Mechanik betrachte ich den starren Körper, später dann Elastizitätstheorie und Hydrodynamik; in der Elektrodynamik betrachte ich Felder; in der QM betrachte ich Atome und Moleküle, später in der QFT dann Elementarteilchen, Hadronen etc.; egal ob in der Theorie oder im Experiment bzw. in der Beobachtung – punktförmige Teilchen sind es nie!

**persönlich glaube ich nicht, dass das ein Ansatz im Sinne der BM ist; ich hatte schonmal die Schrödingergleichung als Gleichung für ein Wellenfunktional erklärt, das ist m.M.n. ziemlich nahe an den Ideen der BM (aber da ist noch viel Arbeit reinzustecken, und es fehlt natürlich die Teilchenontologie).

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Zuletzt bearbeitet von TomS am 18. Aug 2024 18:17, insgesamt einmal bearbeitet
A.Neumaier
Gast





Beitrag A.Neumaier Verfasst am: 18. Aug 2024 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
Quellen, die diesen Schritt von der Quantenfeldtheorie zu einer bohmschen Quantenfeldtheorie erklären.


* Wirklich informativ ist am ehesten noch arXiv:2402.15881 von W. Struyve (2024), die Probleme nicht unter den Tisch kehrt, viele relevante Arbeiten zitiert (und letztlich verwirft), aber eben deshalb auch keine Lösung anbietet.

* In quant-ph/0208185 von Nikolic aus dem Jahr 2002 wird Teilchenerzeugung und -zerfall bohmisiert. Nie publiziert, in Google Scholar genau 1 Zitat; hat offenbar selbst bei Bohmianern keinen Anklang gefunden.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21443

Beitrag TomS Verfasst am: 18. Aug 2024 17:40    Titel: Antworten mit Zitat

Jakito hat Folgendes geschrieben:
Und wenn Du wirklich die Zeit investieren willst, frage Dich auch, was Dein Ziel ist.

Mein Ziel ist es, Antworten auf diese Fragen (1 , 2) zu erhalten. Mein Ziel ist es nicht, mühsam tastend eine schwarze Katze in einem finsteren Raum zu suchen, der sehr wahrscheinlich leer ist.

Meine Frage (2) ist m.M.n. nicht unkonkret sondern nur bewusst einfach; nochmal etwas anders formuliert: Die QFT erlaubt uns, auf der (nach heutigem Wissensstand) fundamentalen Ebene viele Dinge zu berechnen; was ihr fehlt ist eine klare Aussage, wie für eine einzelne Messung ein eindeutig lokalisiertes Ereignis resultiert. Wie beantwortet die Bohmsche Fassung einer QFT diese Frage, bzw. wie könnte der Weg zu einer Antwort aussehen.

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A.Neumaier
Gast





Beitrag A.Neumaier Verfasst am: 17. Sep 2024 14:37    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
Quellen, die diesen Schritt von der Quantenfeldtheorie zu einer bohmschen Quantenfeldtheorie erklären.


Tumulka (ein Langzeit-Bohmianer) demonstriert in seinem neuesten Preprint,
R. Tumulka, A Vision for a Bohm-Style Theory of Quantum Electrodynamics, arXiv:2409.07784.
dass es da nichts gibt, und nur Spekulatives zu erwarten ist (was -selbst wenn nach seinen Massstäben erfolgreich - aus meiner Perspektive nichts an der Situation ändert).

Insbesondere gibt es keine erfolgsversprechende Idee, wie man sich um das Renormierungsproblem in der relativistischen QFT drücken könnte.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21443

Beitrag TomS Verfasst am: 17. Sep 2024 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

A.Neumaier hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Quellen, die diesen Schritt von der Quantenfeldtheorie zu einer bohmschen Quantenfeldtheorie erklären.


Tumulka (ein Langzeit-Bohmianer) demonstriert in seinem neuesten Preprint,
R. Tumulka, A Vision for a Bohm-Style Theory of Quantum Electrodynamics, arXiv:2409.07784.
dass es da nichts gibt, und nur Spekulatives zu erwarten ist (was -selbst wenn nach seinen Massstäben erfolgreich - aus meiner Perspektive nichts an der Situation ändert).

Insbesondere gibt es keine erfolgsversprechende Idee, wie man sich um das Renormierungsproblem in der relativistischen QFT drücken könnte.

Eine schöne Zusammenfassung der Probleme, und einige no-go-Theoreme, die evtl. interessant sind.

Aber für meinen Begriff nix, was sich lohnt anzuschauen.

Vergessen wir mal die Frage der Renormierung. Im Ermangelung einer Bewegungsgleichung für Photonen
Zitat:
The Bohm-type theory of QED that I am aiming at has particle trajectories for fermions and photons, although satisfactory equations for photon trajectories have not been identified yet. It uses the Landau-Peierls formulation of QED in the particle position representation …

kann man noch nicht mal Compton scattering at tree level berechnen.

Trotzdem danke.

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MBastieK



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Beitrag MBastieK Verfasst am: 21. Jul 2025 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

antaris hat Folgendes geschrieben:
Bei der BM hatte ich von Anfang an immer wieder gelesen und bei Diskussionen mitbekommen, dass diese widerlegt wurde oder zumindest sehr unwahrscheinlich geworden ist.

Oh, es schwebte also schon früher im Raum.
https://www.youtube.com/watch?v=DvpSnmRnHr0

Nette Grüsse

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Ohne Rekursion ist Bewusstsein oder Kognition nur rudimentär.
Jakito



Anmeldungsdatum: 30.05.2024
Beiträge: 162

Beitrag Jakito Verfasst am: 23. Jul 2025 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

MBastieK hat Folgendes geschrieben:
antaris hat Folgendes geschrieben:
Bei der BM hatte ich von Anfang an immer wieder gelesen und bei Diskussionen mitbekommen, dass diese widerlegt wurde oder zumindest sehr unwahrscheinlich geworden ist.

Oh, es schwebte also schon früher im Raum.
https://www.youtube.com/watch?v=DvpSnmRnHr0
Ob dies nun wirklich der vernichtende Schlag gegen BM war, darf bezweifelt werden Big Laugh

Kritischere Limitationen der Bohmianer und von BM selbst sind aber weiter oben in diesem Thread angeklungen:
Jakito hat Folgendes geschrieben:
So wertvoll die Beiträge von Dürr, Tumulka, Goldstein & co. auch sind, als "echte" Bohmianer sind sie in manchen Bereichen leider blind. Deshalb muss man wohl auch nicht-Bohmianer wie Nicolas Gisin (siehe mein initialer Post), Franck Laloë oder auch Lev Vaidman lesen ("I have a very high opinion of Lev Vaidman, and I adore his courage to tell other ..."), um ein Gefühl zu bekommen, was tatsächlich hinter BM stecken könnte:
https://arxiv.org/abs/1405.4222 ("Quantum Theory and Determinism" von Lev Vaidman, insbesondere "X. MULTIPLE BOHMIAN WORLDS")
Jakito hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
2) Die Bohmsche Mechanik verwendet Teilchen und kann daher auch lokalisierte Detektionen ansatzweise erklären; sie erklärt dabei zwar nicht den Messprozess selbst, jedoch die Tatsache, dass ein Teilchen dabei – trivialerweise – immer lokalisiert gemessen wird, da es immer lokalisiert ist.
Frag mal lieber die nicht-Bohmianer, ob es wirklich so einfach und trivial ist:
https://arxiv.org/abs/1207.0793 ("Position Measurements in the de Broglie - Bohm Interpretation of Quantum Mechanics" von Gillie Naaman-Marom, Noam Erez, Lev Vaidman)
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