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[quote="TomS"][quote="_carlo_"]MUSS das Universum nicht in irgendeiner Weise gekrümmt sein, wenn man einen Ursprung aus einer Singularität annimmt ?[/quote] Nein, die Existenz einer Urknall-Singularität ist mit einer flachen Geometrie verträglich. Ich denke, dieses mathematische Spielzeugmodell sollte deine Frage beantworten: https://www.physikerboard.de/topic,48792,-faq---unendliches-universum-trotz-urknall%3F.html[/quote]
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TomS
Verfasst am: 05. Sep 2024 22:09
Titel:
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Das Du in Deinem Beispiel mit einer flachen Metrik arbeitest, die ohne Krümmung auskommt, das habe ich, denke ich, verstanden.
Gut.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Meine Überlegung war … ob man mit einem Modell wie im letzten Quote hier, nicht genau so gut arbeiten kann (vielleicht sogar besser), weil es, zumindest für mich, intuitiver ist.
Insbesondere beim Blättern durch die 2-Sphären kann man sich sehr gut vorstellen, wie das Universum auf großen Maßstäben derart homogen und isotrop geworden ist, wie wir es heute beobachten.
Zunehmend besser homogen und isotrop wird das ganze auch im flachen = euklidischen Fall. Im Fall der Sphären nimmt natürlich zudem noch die räumliche Krümmung ab.
Ich hatte nur verstanden, dass du meinst, "Urknall" und "immer flach" würden nicht zusammenpassen. Deswegen wollte ich dir explizit zeigen, wie und warum das funktioniert.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
… aber in der Natur/Physik gibt es einige Beispiele dafür, wie sich anfangs kompakte Zustände über die Zeit sphärisch ausbreiten (Kreiswelle auf Wasser, Druckwelle, Explosionstrümmerwolke ...)
Nichts dagegen einzuwenden.
Aber eine Sphäre bleibt immer eine Sphäre und wird durch eine stetige Expansion nie zu einer Ebene.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Da im Modell die Krümmung des 3-Raums in Richtung der Zeitdimension geht …
Das ist ein Artefakt der Veranschaulichung, geschuldet der Einbettung der 2-Sphäre in den 3-Raum. Mathematisch "lebt" eine Mannigfaltigkeit für sich alleine ohne Einbettung.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
… frage ich mich zudem … weil sich das evtl. ganz anders verhält, als eine Krümmung einer 2-Sphäre in einen 3-Raum …
Die intrinsische Krümmung der Sphäre ist tatsächlich die zutreffende; die Krümmung "in die Zeit" stammt alleine aus der Veranschaulichung.
Es tatsächlich so, dass die Raumzeit gekrümmt ist, und dass dabei neben der Krümmung des Raumes noch weitere Beiträge existieren. Diese passen aber nicht zu der Veranschaulichung, da diese im 3-dim.
euklidschen
Raum erfolgt, während wir in der ART eine Art Einbettung in einen höherdimensionalen
Minkowski-Raum
verwenden müssten – was aber wieder nicht anschaulich vorstellbar ist.
_carlo_
Verfasst am: 05. Sep 2024 20:57
Titel:
Hallo Tom, wieder einmal Danke für Deine ausführliche Antwort.
Zitat:
Und weil die Darstellung des 3-dim. euklidschen Raumes mittels einer 2-dim. Kugeloberfläche eine Krümmung einführt, mache ich genau das nicht: ich würde den 3-dim. euklidschen Raum als 2-dim. euklidsche Ebene darstellen.
Aber evtl. verwechselst du da immer noch etwas: Ich diskutiere zunächst nie eine 2-dim. Kugeloberfläche als Modell des Universums, ich verwende in der Metrik immer einen 3-dim. euklidschen Raum mit 3-dim. sphärischen Koordinaten; durch letztere entsteht aber keine Krümmung!
Das Du in Deinem Beispiel mit einer flachen Metrik arbeitest, die ohne Krümmung auskommt, das habe ich, denke ich, verstanden.
Zitat:
Insbs. 3-Sphäre = 3-dim. Raum als Berandung eines 4-dim. Balls;
veranschaulicht durch
2-Sphäre = 2-dim. Kugeloberfläche = Berandung eines 3-dim. Balls.
Meine Überlegung war, und das habe ich versucht darzustellen, ob man mit einem Modell wie im letzten Quote hier, nicht genau so gut arbeiten kann (vielleicht sogar besser), weil es, zumindest für mich, intuitiver ist.
Insbesondere beim Blättern durch die 2-Sphären kann man sich sehr gut vorstellen, wie das Universum auf großen Maßstäben derart homogen und isotrop geworden ist, wie wir es heute beobachten.
"En pessant" kommt dadurch aber natürlich eine Krümmung ins Spiel, weil der 3-Raum per Annahme auf die 2-Sphäre abgebildet ist. Da ist nach meinem Kenntnisstand auch durch keine Beobachtungen oder Messungen unterlegt (oder gibt es welche?), aber in der Natur/Physik gibt es einige Beispiele dafür, wie sich anfangs kompakte Zustände über die Zeit sphärisch ausbreiten (Kreiswelle auf Wasser, Druckwelle, Explosionstrümmerwolke ...)
zuletzt: Da im Modell die Krümmung des 3-Raums in Richtung der Zeitdimension geht, frage ich mich zudem, ob man diese "Krümmung in die Zeit" überhaupt wahrnehmen/messen kann, weil sich das evtl. ganz anders verhält, als eine Krümmung einer 2-Sphäre in einen 3-Raum (Die Beispiele der Winkelsummen auf gekrümmten Oberflächen sind mir bekannt, aber wie erwähnt, das ist Krümmung Raum/Raum und nicht Raum/Zeit.
TomS
Verfasst am: 05. Sep 2024 15:33
Titel:
Ich investiere mal etwas Zeit in Notation; die können wir dann auch in einem FAQ-Beitrag nutzen.
Im Kontext der ART und der Kosmologie diskutiert man häufig verschiedene Formen des Universums. Dabei muss man unterscheiden zwischen der reinen
Topologie
und der darauf existierenden
Geometrie
; letztere liefert Begriffe wie Abstände, Winkel, Krümmung etc.
Im folgenden bezeichnet n
immer
die Dimension des Raumes, d.h. für unser Universum ist n=3, für Veranschaulichungen arbeiten wir teilweise mit n=2. Die Zeit-Dimension kommt noch dazu.
In fast allen Fällen erlaubt die Geometrie der Raumzeit eine Blätterung (engl.
foliation
) der Form
wobei die reelle Zahlengerade die Zeitfunktion liefert.
Die typischen Fälle für den Raum zu einem Zeitpunkt t sind der
euklidische Raum
E, die
Sphäre
S sowie der
hyperbolische Raum
H. Dies wären die drei Fälle
Den euklidischen Raum darf man identifizieren mit dem direkten Produkt der reellen Zahlen, d.h.
Die n-Sphäre darf man identifizieren mit der Berandung des (n+1)-Balls, d.h.
Eselsbrücke: S für Sphere sowie
S
urface.
1-Sphäre = 1-dim. Kreisrand = Berandung der 2-dim. Kreisscheibe
2-Sphäre = 2-dim. Kugeloberfläche = Berandung eines 3-dim. Balls
3-Sphäre = 3-dim. Raum als Berandung eines 4-dim. Balls (nicht mehr anschaulich vorstellbar)
Dies gilt rein topologisch. Geometrisch, d.h. unter Verwendung des Abstandsbegriffs und von (n+1)-dim. Einheitsvektoren x gilt
Zur Veranschaulichung reduzieren wir häufig drei auf zwei Dimensionen, d.h.
(E, H analog)
Insbs. 3-Sphäre = 3-dim. Raum als Berandung eines 4-dim. Balls; veranschaulicht durch 2-Sphäre = 2-dim. Kugeloberfläche = Berandung eines 3-dim. Balls.
Ich hoffe, das hilft etwas.
TomS
Verfasst am: 05. Sep 2024 14:26
Titel:
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Bleibt die Geometrie flach, wenn man in der Darstellung eine Dimension dazu nimmt, wie im folgenden beschrieben ?
Um eine 4d-Raumzeit zu visualisieren benutzt man eine 3d-Kugel. Die 2d-Oberfläche der Kugel, im Sinne einer Kugelschale, entspricht dabei einer 3d-raumartigen Hyperfläche gleicher (beliebiger) Zeit t, bei der man eine Raumdimension weglässt.
In dem Fall gehst du aus von einem 3-dim. gekrümmten Raum, den du auf die 2-dim. gekrümmte Kugeloberfläche abbildest.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Wenn man jetzt durch die 2d-Kugelschalen "blättert" betrachtet man verschiedene raumartige Schnitte durch die 4d-Raumzeit zu verschieden Zeitpunkten t. Die 4d-Raumzeit entspricht also der gesamten Kugel zu einem Zeitpunkt t.
Den letzten Satz verstehe ich nicht.
Der Raum zu einem Zeitpunkt t entspricht der jeweiligen Kugelschale. Die Raumzeit von der Zeit 0 bis t entspricht der Kugel mit Radius t.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
In deinem Beispiel war die Metrik des 3-Raumes flach. Im eben beschriebenen Modell liegt der 3-Raum sozusagen auf der 2D-Kugelschale, und jetzt dürfte die Metrik nicht mehr flach sein.
Und weil die Darstellung des 3-dim. euklidschen Raumes mittels einer 2-dim. Kugeloberfläche eine Krümmung einführt, mache ich genau das nicht: ich würde den 3-dim. euklidschen Raum als 2-dim. euklidsche Ebene darstellen.
Aber
evtl. verwechselst du da immer noch etwas: Ich diskutiere zunächst
nie
eine 2-dim. Kugeloberfläche als Modell des Universums, ich verwende in der Metrik
immer
einen 3-dim. euklidschen Raum mit 3-dim. sphärischen Koordinaten; durch letztere entsteht aber keine Krümmung!
Dann bette ich
künstliche
2-dim. Kugelschalen in den 3-dim. Raum ein, um zu erklären, warum ein 3-dim. euklidscher Raum trotz Urknall immer unendlich ist; auch das führt nicht zu einer Krümmung des Raumes.
Erst ganz zum Schluss habe ich dann die Darstellung um eine Raumdimension reduziert und argumentiere mit dem Papierstapel.
_carlo_
Verfasst am: 05. Sep 2024 13:46
Titel:
Danke, Tom, für deine Erläuterungen.
Bleibt die Geometrie flach, wenn man in der Darstellung eine Dimension dazu nimmt, wie im folgenden beschrieben ?
Um eine 4d-Raumzeit zu visualisieren benutzt man eine 3d-Kugel. Die 2d-Oberfläche der Kugel, im Sinne einer Kugelschale, entspricht dabei einer 3d-raumartigen Hyperfläche gleicher (beliebiger) Zeit t, bei der man eine Raumdimension weglässt. Zum Zeitpunkt t=0 hat die Kugelschale den Radius R = 0, das entspricht dem Urknall.
Wenn man jetzt durch die 2d-Kugelschalen "blättert" betrachtet man verschiedene raumartige Schnitte durch die 4d-Raumzeit zu verschieden Zeitpunkten t. Die 4d-Raumzeit entspricht also der gesamten Kugel zu einem Zeitpunkt t.
In deinem Beispiel war die Metrik des 3-Raumes flach. Im eben beschriebenen Modell liegt der 3-Raum sozusagen auf der 2D-Kugelschale, und jetzt dürfte die Metrik nicht mehr flach sein.
Wenn man für den Radius als Einheit z.B. 1cm pro vergangener Sekunde wählen würde, erhielte man eine exorbitant große Kugel. Die Krümmung auf der Oberfläche wäre verschwindend gering.
Wenn wir auf so einer Kugeloberfläche leben würden, wäre die Krümmung dann für uns überhaupt wahrnehmbar und meßbar ? Ich meine, wäre die Abweichung bei Winkeladdition in einem Dreieck zu vielleicht in einem dermaßen kleinen Nachkommastellenbereich, daß wir das mit unseren Meßmethoden überhaupt bemerken würden ?
TomS
Verfasst am: 04. Sep 2024 14:13
Titel:
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Wenn ich es richtig verstehe arbeitest Du mit 3d-Hyperflächen gleicher Zeit ... welche in einen 4D-Raum eingebettet sind, und "blätterst" so durch die Raumzeit.
In gewisser Weise ja.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
... in der Darstellung von Kugelschalen ...
Lediglich in
Kugelkoordinaten
.
Der räumliche Teil der FWR-Metrik
ist lediglich eine flache 3-Metrik in Kugelkoordinaten. M.a.W., der 3-dim Schnitt mit Metrik
ist zu jedem Zeitpunkt ein
flacher 3-dim. euklidscher Raum
.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Beginnend mit der Singularität, werden die Kugelschalen immer größer, je weiter die Zeit voranschreitet.
Ja, aber diese
2-dim. Kugelschalen
entsprechen nicht dem gesamten Universum, es sind von mir
künstlich eingeführte
Kugelschalen
im
3-dim. Universum.
Durch Festlegung einer zeitunabhängigen Radial-
Koordinate
r_0 definiere ich eine Kugelschale mit konstantem
Koordinaten
-Radius r_0, deren
physikalischer
Radius R(t) mit a(t) wächst.
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
Wenn aber in dieser Darstellung der 3-dim. Raum durch eine Kugelschale abstrahiert wird, wie kann dann die Geometrie auf dieser Kugelschale flach und euklidisch sein ?
Die Metrik des 3-Raumes ist flach; die auf der 2-dim Kugelschale nicht, aber das ist für deine Frage irrelevant.
Im folgenden diskutiere ich, dass
1) ausgehend von dem festen Koordinaten-Radius r der physikalische Radius R(t) gegen Null geht, wenn t gegen Null geht; d.h. habe ich zu einem gewissen Zeitpunkt t eine Kugelschale mit endlichem Radius R(t), so entspricht diese für t=0 einem Punkt mit R(0) = 0 in ihrem Koordinaten-Ursprung; das entspricht dem Urknall
2) dennoch zu jedem beliebig kleinen Zeitpunkt Kugelschalen existieren, die beliebig groß sein können
D.h. der Raum (nicht die Raumzeit) ist zu jedem Zeitpunkt unendlich groß und flach; der Inhalt eines endlichen Raumbereiches befand sich für t=0 in einem Punkt.
Zur Veranschaulichung: Nimm ein Blatt Papier und markiere einen beliebigen Punkt P. Kopiere das einige Male und nummeriere den Stapel mit einer Zeit t = 0 ... 0.001 0.01, 0.1, 1, 10, 100, 1000 .. durch. Denk dir nun eine monoton wachsende Funktion a(t) aus, für die gilt:
Zeichne auf jedem Blatt mit Zeit t einen Kreis mit Radius a(t) um den Punkt P. Denke dir jedes Blatt unendlich ausgedehnt.
That's it.
_carlo_
Verfasst am: 04. Sep 2024 11:31
Titel:
Danke für den Link, hat meinem Verständnis geholfen.
Wenn ich es richtig verstehe arbeitest Du mit 3d-Hyperflächen gleicher Zeit in der Darstellung von Kugelschalen, welche in einen 4D-Raum eingebettet sind, und "blätterst" so durch die Raumzeit. Beginnend mit der Singularität, werden die Kugelschalen immer größer, je weiter die Zeit voranschreitet.
Wenn aber in dieser Darstellung der 3-dim. Raum durch eine Kugelschale abstrahiert wird, wie kann dann die Geometrie auf dieser Kugelschale flach und euklidisch sein ?
Da hängt es bei mir noch ...
TomS
Verfasst am: 03. Sep 2024 17:34
Titel:
_carlo_ hat Folgendes geschrieben:
MUSS das Universum nicht in irgendeiner Weise gekrümmt sein, wenn man einen Ursprung aus einer Singularität annimmt ?
Nein, die Existenz einer Urknall-Singularität ist mit einer flachen Geometrie verträglich.
Ich denke, dieses mathematische Spielzeugmodell sollte deine Frage beantworten:
https://www.physikerboard.de/topic,48792,-faq---unendliches-universum-trotz-urknall%3F.html
_carlo_
Verfasst am: 03. Sep 2024 17:29
Titel: Flaches Universum und Planck-Daten
Hallo,
auf der Seite der ESA habe ich zum Planck-Leistungsspektrum gelesen, daß die Daten des CRB-Power-Spektrums am besten zu einem flachen Universum passen.
Ich habe Verständnisprobleme, was mit "flach" hier gemeint ist. Ich kenne zwar in etwa den Zusammenhang der hypothetischen positiv-gekrümmten, negativ-gekrümmten oder eben flachen Raumgeometrie in den Friedmann-Modellen.
Aber ich bekomme keinen Ping wenn ich eine flache Raumgeometrie in Zusammenhang zu einem Universum bringen will, welches modellhaft aus einer Singularität entstanden ist.
MUSS das Universum nicht in irgendeiner Weise gekrümmt sein, wenn man einen Ursprung aus einer Singularität annimmt ? Oder besteht die möglichkeit, daß der Krümmungsradius des Universums so klein ist, als daß es uns nur flach erscheint ?