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isi1



Anmeldungsdatum: 03.09.2006
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Beitrag isi1 Verfasst am: 14. Feb 2010 16:38    Titel: Tiefenerder berechnen Antworten mit Zitat

Hier hätte ich eine Frage, an der wir uns im Ingenieurforum die Zähne ausbeißen:
Tessa hat Folgendes geschrieben:
Hi Fachleute!

Wir sollen den Widerstand eines Tiefenerders bestimmen (mit Ableitung der Formel).

Gegeben ist kappa, eine kreisrunde Platte mit Radius r=2m, die waagrecht in h=8m Tiefe vergraben ist.
Sie ist mit einer isolierten Leitung angeschlossen.

Bei einer Kugel in großer Tiefe könnte ich es: R=1/(4 pi kappa r).

Schwieriger ist es schon, wenn sie nur in 8m Tiefe ist, denn dann hat die Begrenzung einen Einfluss. Näherungsweise würde ich die Oberfläche der Platte benutzen. Aber exakt?

Wäre sehr nett, wenn sich einer der Gurus hier das man ansehen könnte.
Bisher haben wir nur:

Zitat:
Wegen der Äquivalenz zwischen Kapazität und Leitwert, Tessa,
könnte man die Formeln für Kondensatoren verwenden.

Aus Meinke/Gundlach: Kapazität einer dünnen kreisförmigen Scheibe im freien Raum:

mit k=0,635 für die
Analog:


Die Formel für die Kugel sieht genau so aus, nur ist der Faktor k = 1
Aber das beantwortet nicht die Frage.
Hier im Forum habt ihr excellente Physiker, deshalb meine Hoffnung, dass ihr helfen könnt.
schnudl
Moderator


Anmeldungsdatum: 15.11.2005
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Beitrag schnudl Verfasst am: 15. Feb 2010 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hmmm...

Ich wüsste momentan nicht, wie man das exakt berechnet. Es geht vielleicht, ist aber eine Randwertaufgabe, die nicht ganz einfach ist.

Der Ansatz über die Kapazität einer Kreisscheibe erscheint mir (momentan noch) wenig nützlich, denn diese Formel setzt ja voraus, dass die Kreisscheibe in einem unbegrenzten homogenen Medium liegt, so wie es für die von Dir angesprochene Kugel der Fall ist...Ein wenig tendiere ich gedanklich in Richtung einer "Spiegelladung", welche allerdings gleich geladen sein müsste, um die Randbedingung an der Grenzfläche zu erfüllen (Normalkomponente von j = 0). Und dann kommt noch dazu, dass keine homogene Stromdichteverteilung an der Platte vorliegt (im Ladungsbild: keine homogene Flächenladung). Scheint etwas schwierig zu sein...verzichtet man auf letzere Einschränkung, so kann man aber die Integration für das Potenzial leicht durchführen.

grübelnd

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schnudl
Moderator


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Beitrag schnudl Verfasst am: 15. Feb 2010 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

also ich komme (nach einigem Grübeln) auf



R ... Radius der Scheibe
D/2 ... Tiefe unter Grund
... spez. Leitwert

Hier liegt aber die oben bereits erwähnte Annahme zugrunde, dass die zweiseitige Flächenstromdichte auf der Platte (genauer: das ) konstant ist. Näherungsweise ist das sicher OK. Es ist äquivalent zur Annahme, dass die Ladungsdichte auf einer Kondensatorplatte konstant ist - daran hat man sich ja schon gewöhnt und es stimmt denke ich recht gut.

@isi: Hast du das Ergebnis? Ich möchte nicht einen Rechenweg posten, der Unsinn ist...Jedenfalls habe ich mit einem "Spiegelerder" gerechnet, wie ich schon oben sagte.

Motivierend beim Ergebnis ist jedenfalls, dass der Widerstand des Erders an der Oberfläche doppelt so gross ist, wie der ganz tief eingegrabene (Halbkugel/Vollkugel). Kann das auch stimmen? 100% sicher bin ich mir nicht...

smile

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schnudl
Moderator


Anmeldungsdatum: 15.11.2005
Beiträge: 6979
Wohnort: Wien

Beitrag schnudl Verfasst am: 16. Feb 2010 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

laut einem Tabellenwerk das ich zufällig gefunden habe ist mein Ergebnis um éinen Faktor zu klein. Ich kann momentan den Fehler nicht finden und zweifle schon langsam an den Ausgangsprämissen. Die Analogie zwischen Elektrostatik und der Berechnung eines Stromfeldes wird auch immer schwammiger, je mehr ich darüber nachdenke...
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isi1



Anmeldungsdatum: 03.09.2006
Beiträge: 2903
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Beitrag isi1 Verfasst am: 16. Feb 2010 17:15    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, Schnudl, erst mal danke für die Antwort. Leider haben wir keine Lösung, obwohl wir es im Ingenieurforum zu mehreren versucht haben. Das Spiegeln mit mit einer Platte mit einem gleichen konstanten Oberflächenpotential ist sicher exakt richtig, die Analogie zur Elektrostatik ist auch 100% Konsens.

Die konstante Stromdichte wird nicht zutreffen, genau wie analog die konstante Ladungsdichte nicht zutrifft (wegen Influenz), das funktioniert nur bei Isolatoren mit konstanter Ladungsdichte.
Konstant ist bei der Metallplatte das Potential auf der Platte.

Deine Formel stimmt schon recht gut mit dem Lehrbuch für Hochfrequenztechnik von Meinke/Gundlach überein, wenn man die Tiefe stark wachsen lässt:

Schnudl: ...das k wäre 0,5

Meinke: ---das k ist 0,635

Tabellenwerk: ---das k ist 1/(2pi)=0,159

Könntest Du bitte - falls das einfach geht - Deine Mathematik für konstantes Oberflächenpotential modifizieren?

Ich versuchte (bisher ohne Erfolg) das elliptische Potential so zu modifizieren, dass ein abgeplattetes Rotationsellipsoid entsteht mit der Höhe Null. Ähnlich hat Sommefeld das abgeleitet für den Staberder - nur eben das verlängerte Rotationsellipsoid, nicht das abgeplattete.

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schnudl
Moderator


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Beitrag schnudl Verfasst am: 17. Feb 2010 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Könntest Du bitte - falls das einfach geht - Deine Mathematik für konstantes Oberflächenpotential modifizieren?


ich bin gerade dran. Was besseres hab ich ja nicht zu tun...

smile

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schnudl
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Beitrag schnudl Verfasst am: 17. Feb 2010 19:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe jetzt etwas raus, was mit meinem Tabellenwerk übereinstimmt:



D= (unendlich tief eingegraben):



D=0 (an der Oberfläche)



Für die Quelldichteverteilung einer einzelnen Platte, auf der konstantes Potenzial herrscht, habe ich herausbekommen:



Das entstehende Potenzial entlang der Mittenachse weicht in der Nähe der Platte stark von der homogenen Stromdichteverteilung ab (siehe Bild).

Das Ergebnis berücksichtigt aber leider nicht die Influenzwirkung der Platten untereinander (ich wüsste auch nicht, wie ich das machen sollte), sodass das Resultat leider wiederum nur eine Näherung zu sein scheint...
Steht im Meinke die Herleitung drin? Mich würde es brennend interessieren wie die drauf kommen... Jedenfalls ist die Abweichung zu diesem Wert im Meinke nur minimal. Aber wo kommen die 0,2% Unterschied her? Möglicherweise muss man eine Reihenentwicklung durchführen...



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Zuletzt bearbeitet von schnudl am 18. Feb 2010 10:47, insgesamt 2-mal bearbeitet
schnudl
Moderator


Anmeldungsdatum: 15.11.2005
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Beitrag schnudl Verfasst am: 17. Feb 2010 20:26    Titel: Antworten mit Zitat

@isi:

Hast du diese Arbeit von Sommerfeld als pdf?

Wäre nett wenn du sie mir zukommen lassen könntest...

PS: Sommerfeld machte übrigens auch Pionierarbeit bei der Theorie der Antennen...

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Anmeldungsdatum: 03.09.2006
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Beitrag isi1 Verfasst am: 17. Feb 2010 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

schnudl hat Folgendes geschrieben:
Ich habe jetzt etwas raus, was mit meinem Tabellenwerk übereinstimmt:



D= (unendlich tief eingegraben):



D=0 (an der Oberfläche)



Für die Quelldichteverteilung einer einzelnen Platte, auf der konstantes Potenzial herrscht, habe ich herausbekommen:



Das entstehende Potenzial entlang der Mittenachse weicht in der Nähe der Platte stark von der homogenen Stromdichteverteilung ab (siehe Bild).
Du bist einfach phantastisch, Schnudl.

Haben wir die Chance, das nachzuvollziehen - bei unseren mathematischen Möglichkeiten?
Wenn ja, könntest Du einen Hinweis geben, wie das zu rechnen ist?

schnudl hat Folgendes geschrieben:
Steht im Meinke die Herleitung drin? Mich würde es brennend interessieren wie die drauf kommen... Jedenfalls ist die Abweichung zu diesem Wert im Meinke nur minimal. Aber wo kommen die 0,2% Unterschied her?
Das dürfte meine Umrechnung gewesen sein. In einer etwas älteren Auflage von
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41jw%2BG1ovUL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA240_SH20_OU03_.jpg
steht nur (ohne Ableitung):



Ich habe umgerechnet:

--- das k ist 0,634521

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isi1



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Beitrag isi1 Verfasst am: 17. Feb 2010 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

schnudl hat Folgendes geschrieben:
@isi:
Hast du diese Arbeit von Sommerfeld als pdf?
Wäre nett wenn du sie mir zukommen lassen könntest...
PS: Sommerfeld machte übrigens auch Pionierarbeit bei der Theorie der Antennen...
Ich versuche es im Netz zu finden, Schnudl,

es heißt Sommerfeld: Vorlesungen über theoretische Physik III, Elektrodynamik

Ich versuche es zu finden und schreibe Dir den Link.

Falls nicht, melde ich mich per PN.

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schnudl
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Beitrag schnudl Verfasst am: 17. Feb 2010 20:53    Titel: Antworten mit Zitat

Mein Umrechnungsfaktor ist



Du hast angegeben



???

Also ist ein Unterschied zum Buch da - wenn auch nur ein sehr kleiner.

Ich habe aus der Stromdichteverteilung das Potenzial an der einen Platte im Bezug auf "unendlich" (an der Symmetrieachse) ausgerechnet. Für die Spiegelplatte muss man das um D verschobene Potenzial addieren.



Das Potenzial habe ich über die Greensche Funktion



bestimmt. Es wird letztlich ein simples Flächenintegral von 0...R.

Ich kann morgen den Rechenweg im Detail posten - ist aber nicht schwierig und man hat nur einfache Integrale. Die Stromdichteverteilung habe ich mit einem Ansatz bestimmt, bei dem für r=R eine Singularität der Ordnung n entsteht (Spitzeneffekt). Dann habe ich das n zu n=1/2 bestimmt. Ist nicht sehr elegant, hat aber funktioniert. Das kostete mich die meiste (Arbeits)Zeit...

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Beitrag isi1 Verfasst am: 17. Feb 2010 21:02    Titel: Antworten mit Zitat

Prima, Schnudl, vielen Dank, ich werde versuchen, das zu verstehen und nachzurechnen.

Der Link zum Sommerfeld ist (siehe Seite 60)
http://books.google.de/books?id=QZAfS2LXbV8C&printsec=frontcover&dq=Sommerfeld:+Vorlesungen+%C3%BCber+theoretische+Physik+III,+Elektrodynamik&ei=pUt8S_D6IIi0zQS1g7GBCQ&client=firefox-a&cd=1#v=onepage&q=&f=false

Die Lösungen sind dort nicht eingescannt, Bitte auf PN warten.

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Beitrag schnudl Verfasst am: 17. Feb 2010 21:04    Titel: Antworten mit Zitat

danke !
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Beitrag schnudl Verfasst am: 21. Feb 2010 19:51    Titel: Antworten mit Zitat

Nach drei Tagen des Herumprobierens gebe ich nun mit folgenden Erkenntnissen auf:

Trotz der scheinbaren Trivialität ist das Problem der geladenen Kreisplatte erst 1884 (also gute 20 Jahre nach der Aufstellung der Maxwell'schen Gleichungen) von Thomson(=Lord Kelvin) gelöst worden. Die Mathematik für solche gemischten Randwertaufgaben ist denke ich recht aufwendig und erfordert tiefere Einsicht in die Theorie der dualen Integralgleichungen. Selbst im Jackson, den ich über alles schätze, wird das Problem als sehr komplex dargestellt und bloss auf die Arbeiten von H.Weber verwiesen. 1945 (!!!) war das Plattenproblem scheinbar immer noch ein Thema, wie das Paper von Copson zeigt:

http://journals.cambridge.org/action/displayFulltext?type=1&fid=3082180&jid=PEM&volumeId=8&issueId=01&aid=3082172

Ich glaube man muss als Unterliga-Physiker nicht traurig sein, wenn man auf das nicht selbst gekommen ist...

smile

Der erste Ansatz von Thomson (der zwar korrekt ist, jedoch etwas gekünstelt und unmathematisch wirkt) findet sich gut erklärt hier:

http://www.physics.princeton.edu/~mcdonald/examples/ellipsoid.pdf

Der Ansatz von isi im anderen Forum geht auch in diese Richtung. Sie war denke ich (im Ansatz) nicht weit von der Lösung entfernt...

Thumbs up!

Ob es eine Löung für die parallelen Platten gibt, habe ich nicht herausgefunden.

Für das Problem des Kondensators aus zwei kreisförmigen Platten gibt es offenbar eine Lösung, die erst 2009 (!!!) gefunden wurde. Leider hilft das hier nicht weiter:

http://ceta.mit.edu/pier/pier97/21.09092503.pdf

Ich glaube wir können ganz froh sein, wenigstens eine analytische Näherung für die gestellte Frage zu besitzen...

smile

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lampe16



Anmeldungsdatum: 21.03.2010
Beiträge: 319

Beitrag lampe16 Verfasst am: 21. März 2010 18:38    Titel: Tiefenerder berechnen Antworten mit Zitat

@ Antwort-Poster dieses Threads,
ich bin nicht sicher, ob ich den Ansatz richtig verstanden habe. Deshalb die Frage, ob die folgende Kurzfassung stimmt:

Potential bei Kreisscheibe in Ebene mit eingeprägtem Potenzial im homogenen Raum mit

Potenzial der Spiegelungsanordnung

Strom, der aus einer Elektrode quillt

gesuchter Erderwiderstand

Ist das so i.O.?

Gruß, lampe16
schnudl
Moderator


Anmeldungsdatum: 15.11.2005
Beiträge: 6979
Wohnort: Wien

Beitrag schnudl Verfasst am: 21. März 2010 18:51    Titel: Antworten mit Zitat

ja, genau so haben wir es betrachtet!
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lampe16



Anmeldungsdatum: 21.03.2010
Beiträge: 319

Beitrag lampe16 Verfasst am: 14. Dez 2010 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

@schnudl

Danke für die Antwort!

Mir ist gerade aufgefallen, dass mein Feedback und Dank noch ausstand; und das war einfach einige Quartale lang schlechtes Benehmen. Pardon!
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