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[quote="TomS"][quote="Aruna"][quote="TomS"]Man könnte aber auch sagen, kein stationärer Zustand im Kasten ist ein Eigenzustand zum Impulsoperator, deswegen ist die Frage sinnlos. [/quote] Das wird dann m.E. ein Beginner ohne weitere Erläuterung nicht verstehen, zumindest nicht in dem Sinne, was ich unter "verstehen" verstehe.[/quote] Gut. Ein stationärer Zustand zeichnet sich dadurch aus, dass seine Ortsraumfunktion zeitlich konstant und seine Zeitabhängigkeit durch eine Phase gegeben sind. Das führt auf dem Ansatz [latex]\psi(x,t) = \phi(x) \, e^{-i\omega t}[/latex] Eine Eigenfunktionen des Impulsoperators ist definiert durch die Eigenwertgleichung [latex]- i \partial_x \, \psi(x,t) = k \, \psi(x,t) [/latex] Das führt auf den bekannten Ansatz [latex]\phi(x) = e^{ikx}[/latex] Es gibt keine anderen Lösungen zu der Eigenwertgleichung. Im unendlichen Kasten wird als Randbedingung [latex]\phi(x=0) = \phi(x=L) = 0[/latex] gefordert. Diese Randbedingung wird aber von keiner Lösung der Eigenwertgleichung erfüllt. Umgekehrt erfüllen stationäre Zustände mit [latex]\phi(x) = \sin(kx)[/latex] die Schrödingergleichung und liefern stationäre Zustände, und sie erfüllen die Randbedingungen, aber es handelt sich dabei nicht um Eigenfunktionen des Impulsoperators.[/quote]
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TomS
Verfasst am: 03. Jan 2026 17:33
Titel:
Aruna hat Folgendes geschrieben:
Verstehe ich das richtig: in einem begrenzten Raumbereich kann man keinen selbstadjungierten Impulsoperator definieren …
Ja.
Aruna hat Folgendes geschrieben:
[daher ist ein (physikalisch messbarer) Impuls nicht definiert?
Unter der Voraussetzung der Postulate nach von Neumann wiederum ja.
Rein pragmatisch ist das egal, da der unendliche Topf und damit die Dirichlet-Randbedingungen auf dem Intervall [0, L] ohnehin nur Idealisierungen darstellen.
Prinzipiell darf man davon ausgehen, dass die Postulate nach von Neumann ohnehin untauglich sind, um einen realen Messprozess zu beschreiben. (Sie versagen übrigens auch für das freie Teilchen und die ebenen Wellen über der reellen Zahlengerade. Ebene Wellen sind keine Eigenfunktionen im Raum der quadratintegrablen Funktionen, d.h. weder die Projektion – d.h. der sogenannte Kollaps – noch der Erwartungswert von Ort oder Impuls – d.h. die Bornsche Regel – sind definiert. Wobei der Impulsoperator witzigerweise selbstadjungiert ist.)
Auf dem endlichen Intervall [0, L] findet man eine Schar selbstadjungierter Erweiterungen mittels periodischer Randbedingungen
Zu jedem theta gehört ein eigenerer Definitionsbereich d.h. streng genommen ein eigener Operator p (und ebenso H), mit eigenen Spektren
Man kann dies als unitär-inäquivalente Darstellungen auffassen.
Ich setze noch eins drauf: da
ist auch der Ortsoperator nicht selbstadjungiert, er ist nicht mal dicht definiert.
Damit funktioniert auch das Stone-von-Neumann-Theorem nicht, und es gibt keine kanonischen Vertauschungsrelationen auf [0,L]. Das hat schon Weyl bemerkt.
Trotzdem kann man natürlich vernünftige Physik betreiben, aber man muss eben diverse Fallen vermeiden, die in den einfachen Beispielen enthalten sind.
Aruna
Verfasst am: 03. Jan 2026 16:37
Titel:
Okay....
Verstehe ich das richtig: in einem begrenzten Raumbereich kann man keinen selbstadjungierten Impulsoperator definieren, daher existiert dort keine entsprechende Observable und (physikalisch messbarer) Impuls ist nicht definiert?
TomS
Verfasst am: 01. Jan 2026 14:55
Titel:
Könnte man rechnerisch. Aber da wir aus physikalischen Gründen Randbedingungen fordern, die die e-Funktionen nicht erfüllen, ist da Vorsicht geboten.
Mathematisch
Jeder Operator, hier der Impulsoperator, hat einen Definitionsbereich (Domain); hier:
Auf diesem Definitionsbereich ist der Impulsoperator symmetrisch, jedoch nicht selbstadjungiert (es existiert jedoch eine selbstadjungierte Erweiterung). D.h. der Impulsoperator erfüllt nicht die Anforderung an eine Observable, dass eine solche selbstadjungiert sein muss. Der Impulsoperator hat bzgl. dieses Definitionsbereiches
keine
Eigenzustände (während eine Observable als selbstadjungierter Operator einen vollständigen Satz an Eigenzuständen hat). Verwendet man also exp(ikx), so muss man sich immer bewusst sein, dass man den zugrundeliegenden Definitionsbereich verlässt.
(siehe auch ebene Wellen: sie sind nicht normierbar und haben unendlichen Erwartungswert für die Energie)
Streng genommen gilt für die Randbedingungen
weil
Im typischen Beweis der Symmetrie (nicht Selbstadjungiertheit) für Matrixelemente mittels des Integrals für plus partieller Integration verschwinden die Randterm für x=0 und x=L aufgrund der Forderung an die rechte Funktion, während die linke Funktion frei bleibt:
Deswegen ist der Definitionsbereich des adjungierten Operators größer, ohne dass dies die Symmetrie des Operators zerstören würde; auf Ebene der Matrixelemente erscheintalles gut.
Physikalisch
Die Randbedingungen zerstören die Translationsinvarianz, d.h. bereits klassisch ist das System nicht translationsinvariant, es existiert kein erhaltener Impuls (das Noether-Theorem funktioniert nicht); klar, ein Teilchen mit Impuls p wird an der Wand reflektiert und erhält den Impuls -p.
Quantenmechanisch wäre der unitäre Translationsoperator
Die Translation der Wellenfunktion führt auf die Taylorreihe
Aber das liefert
und das ist für -a < 0 nicht definiert.
D.h. es ist etwas subtiler, denn die quantenmechanische Version des Noether-Theorems, "kontinuierliche Symmetrie von H entspricht Erhaltungsgröße"
scheint bei expliziter Berechnung ja zu funktionieren; das Problem ist wieder, dass man ein P bzw. T(a) verwendet, das als Observable nicht existiert.
(eine vermeintliche Rettung besteht in der Forderung nach Periodizität plus Knoten-Bedingung bei x=0, L, 2L ...; ersteres rettet die Selbstadjungiertheit, siehe z.B. Bloch-Wellen, letzteres zerstört sie jedoch wieder)
Aruna
Verfasst am: 01. Jan 2026 12:15
Titel: Re: Teilchen im Potentialtopf, minimale Geschwindigkeit
TomS hat Folgendes geschrieben:
Eine Eigenfunktionen des Impulsoperators ist definiert durch die Eigenwertgleichung
[...]
Das führt auf den bekannten Ansatz
Es gibt keine anderen Lösungen zu der Eigenwertgleichung.
[...]
Umgekehrt erfüllen stationäre Zustände mit
die Schrödingergleichung und liefern stationäre Zustände, und sie erfüllen die Randbedingungen, aber es handelt sich dabei nicht um Eigenfunktionen des Impulsoperators.
Diesen Energieeigenzustand kann man dann als Überlagerung zweier Impulseigenzustände scheiben:
Also ein zusammengesetzter Zustand eines Teilchens, das nach rechts läuft und eines das nach links läuft?
TomS
Verfasst am: 31. Dez 2025 19:13
Titel:
Aruna hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Man könnte aber auch sagen, kein stationärer Zustand im Kasten ist ein Eigenzustand zum Impulsoperator, deswegen ist die Frage sinnlos.
Das wird dann m.E. ein Beginner ohne weitere Erläuterung nicht verstehen, zumindest nicht in dem Sinne, was ich unter "verstehen" verstehe.
Gut.
Ein stationärer Zustand zeichnet sich dadurch aus, dass seine Ortsraumfunktion zeitlich konstant und seine Zeitabhängigkeit durch eine Phase gegeben sind. Das führt auf dem Ansatz
Eine Eigenfunktionen des Impulsoperators ist definiert durch die Eigenwertgleichung
Das führt auf den bekannten Ansatz
Es gibt keine anderen Lösungen zu der Eigenwertgleichung.
Im unendlichen Kasten wird als Randbedingung
gefordert.
Diese Randbedingung wird aber von keiner Lösung der Eigenwertgleichung erfüllt.
Umgekehrt erfüllen stationäre Zustände mit
die Schrödingergleichung und liefern stationäre Zustände, und sie erfüllen die Randbedingungen, aber es handelt sich dabei nicht um Eigenfunktionen des Impulsoperators.
TomS
Verfasst am: 31. Dez 2025 18:59
Titel:
Aruna hat Folgendes geschrieben:
…
👍
Aruna hat Folgendes geschrieben:
Ich fände es schon sinnvoll, Leuten, die aus der klassischen Betrachtungsweise kommen, aufzuzeigen, worin nun der Unterschied besteht.
Ich auch.
Und ich hoffe, das passiert nicht nur hier im Forum.
Aruna
Verfasst am: 31. Dez 2025 15:59
Titel:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Es gibt also keinen Grund, dass sich da irgendetwas entsprechen solle; im Gegenteil, das ist nur in gewissen Grenzfällen gegeben.
Auf einer höheren Abstraktionsebene ist m.E. die Entsprechung, dass das Verschwinden eines statistischer Mittel- oder Erwartungswerts einer Größe nicht bedeutet, dass im statistischen Mittel auch Betrag oder das Quadrat dieser Größe 0 ist.
Damit kann man die Frage:
Zitat:
Wie kann es sein, dass das Teilchen im Grundzustand keine Geschwindigkeit hat, obwohl es Energie besitzt?
m.E. beantworten z.B. mit:
Die QM macht hier keine Aussagen über eine konkrete Geschwindigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt oder an einem bestimmten Ort, sondern nur statistische Aussagen z.B. über Erwartungswerte.
Die können dann verschwinden, wenn sich positive und negative Anteile einer Größe über den Summations- oder Integrationsbereich aufheben und dennoch kann die Summation oder Integration der Größe zum Quadrat einen Wert > 0 haben.
TomS hat Folgendes geschrieben:
Zieht man das und mein Argumentation zum Erwartungswert des Impulses heran, lautet die Lösung im Kasten Null, weil der Erwartungswert der Geschwindigkeit v (nicht der von v²) eben verschwindet.
das meine ich
Vom Bekannten zum Unbekannten.
TomS hat Folgendes geschrieben:
Man könnte aber auch sagen, kein stationärer Zustand im Kasten ist ein Eigenzustand zum Impulsoperator, deswegen ist die Frage sinnlos.
Das wird dann m.E. ein Beginner ohne weitere Erläuterung nicht verstehen, zumindest nicht in dem Sinne, was ich unter "verstehen" verstehe.
TomS hat Folgendes geschrieben:
Der Sinn der Vergleiche zwischen klassischer und quantenmechanischer Betrachtungsweise ist zumeist der, zu erkennen, dass Vergleiche sinnlos sind.
Ich fände es schon sinnvoll, Leuten, die aus der klassischen Betrachtungsweise kommen, aufzuzeigen, worin nun der Unterschied besteht.
Z.B. dass in der QM der Impuls oder die Geschwindigkeit eines Teilchen im Kasten nicht definiert sind, die Energie dagegen schon.
Und dass das nicht eine Besonderheit des Grundzustandes ist....
Die Besonderheit ist, dass auch die Energie im Grundzustand nicht verschwindet.
TomS
Verfasst am: 31. Dez 2025 15:19
Titel:
Erst mal ja.
Es gibt noch einen Unterschied, nämlich die Mittelwertbildung
Räumlich:
Über die Höhe mit v als Funktion der Höhe h
Über die Zeit:
Das ist aber immer ein Mittelwert über den
zeitlichen Verlauf
der Bewegung eines punktförmigen Teilchens, während es in der QM immer eine Mittelung über eine räumlich ausgedehnte Schwingung
zu einem beliebigen festen Zeitpunkt
ist. Es gibt also keinen Grund, dass sich da irgendetwas entsprechen soll; im Gegenteil, das ist nur in gewissen Grenzfällen gegeben.
Bestes Beispiel ist das Wasserstoffatom, oder allgemein ein sphärisch symmetrischen Potential mit gebundenen Zuständen: der Drehimpuls im Grundzustand ist immer exakt Null; das ist klassisch völlig widersinnig.
Zieht man das und meine Argumentation zum Erwartungswert des Impulses heran, lautet die Lösung im Kasten Null, weil der Erwartungswert der Geschwindigkeit v (nicht der von v²) eben verschwindet; das ist aber nicht gemeint. Alternativ könnte man sagen, kein stationärer Zustand im unendlichen Kasten ist zugleich ein Eigenzustand zum Impulsoperator, deswegen ist die Frage sinnlos (und nein, es gibt zusammen mit den Randbedingungen überhaupt keinen Impulseigenzustand im unendlichen Kasten).
Der Sinn der Vergleiche zwischen klassischer und quantenmechanischer Betrachtungsweise ist zumeist der, zu erkennen, dass Vergleiche sinnlos sind.
Aruna_17
Verfasst am: 31. Dez 2025 14:27
Titel:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Eine saubere Argumentation funktioniert über die Erwartungswerte.
Das ist doch dann analog zu einem klassischen Pendel?
Mittelwert von v = 0 , von v^2 > 0
Außer, für den Fall, dass v(t)=0 für alle t.
Der wesentliche Unterschied wäre dann, dass es für ein QM-Teilchen im P-Topf keine Lösung mit E=0 gibt und nicht, dass <p^2> > 0 ist, obwohl <p> = 0.
TomS
Verfasst am: 31. Dez 2025 09:17
Titel:
Eine saubere Argumentation funktioniert über die Erwartungswerte.
Man startet mit dem Hamiltonoperator
und berechnet für einen gegebenen Zustand psi
Rechnet man direkt mit p, so sind die Erwartungswerte bei Anwendung dieses in x antisymmetrischen Operators Null, wenn dadurch der Integrand in
antisymmetrisch wird; das ist aber für die Eigenfunktionen zu H (nicht p)
der Fall.
MadManMax
Verfasst am: 30. Dez 2025 22:30
Titel: Teilchen im Potentialtopf, minimale Geschwindigkeit
Meine Frage:
Hallo zusammen,
ich habe eine Verständnisfrage zum Teilchen im Kasten (unendlich tiefer Potentialtopf). In einer Aufgabe heißt es:
Ein mikroskopisches Staubteilchen der Masse
ist in einem Kasten der Breite 1 mm eingeschlossen. Welche minimale Geschwindigkeit kann es haben?
Dazu wurde in der Musterlösung folgender Ansatz verwendet:
Daraus folgt:
Eingesetzt:
Meine zwei Fragen sind:
Wie kann es sein, dass das Teilchen im Grundzustand keine Geschwindigkeit hat, obwohl es Energie besitzt?
Im Kastenmodell ist im Inneren V=0, die Energie ist also formal kinetische Energie. Trotzdem gibt es im Grundzustand keine klassische Bewegung mit einer bestimmten Geschwindigkeit. Wie ist das physikalisch zu verstehen?
Warum wird hier in der Aufgabe dennoch ein klassischer Ansatz der Form
verwendet?
Dieser Ansatz setzt ja das Vorhandensein einer Geschwindigkeit voraus. Wieso ist diese Rechnung dennoch zulässig, und was bedeutet die dabei berechnete ?minimale Geschwindigkeit? im quantenmechanischen Kontext?
Liebe Grüße
schonmal danke im Voraus!
Meine Ideen:
Meine Vermutung ist, dass die hier berechnete Größe v keine ?echte? Geschwindigkeit des Teilchens ist, sondern lediglich ein klassischer Vergleichswert.