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[quote="Dr. Langfinger-Mittelstra"][b]Meine Frage:[/b] Vom dummen Mediziner an euch Physiker: In vielen medizinischen Lehrbüchern (oder auch Lehrveranstaltungen) wird zur sog. "Lippenbremse" bei akuter Atemwegsobstruktion geraten; das heißt, zum Beispiel im Asthmaanfall. Dabei ist der Strömungswiderstand der Atemwege (vor allem kleinere Atemwege) erhöht. Anatomische Grundlagen: Die Lunge besteht aus vielen kleinen separaten Luftbläschen, die jeweils von einer Endaufzweigung des Atemwegsbaumes belüftet werden. Der Druck in den Lufträumen der Lunge wird durch AUsdehnen und ZUsammendrücken der Lunge durch Bewegungen des Brustkorbes bewältigt. Die Atemwege sind nahe am Mund noch sehr großkalibrig und werden starr durch Knorpel offengehalten; peripher (mundfern) hält sie aber nur ihre Verankerung an den elastischen Wänden der Luftbläschen offen, sie sind selbst sozusagen schlaff. Daraus ergibt sich folgendes Problem: vergrößert sich der Strömungswiderstand in den peripheren Luftwegen, fällt über ihnen bei gleichbleibender Atmung ein größerer Druckgradient an, sodass die Atemwege bei Ausatmung innen einen deutlich niedrigeren Druck haben als im umgebenden Lungengewebe (Bläschen); das widerum kann zu Kompression oder Kollaps dieser Atemwege führen und das Problem verschlimmern. Geraten wird nun folgendes: Die Lippen schließen und da hindurch ausatmen (Lippenbremse), Begründung: Steigerung des Atemwegsinnendruckes hielte diese offen. [b]Meine Ideen:[/b] Mein Problem: Wenn ich jemandem das raten soll, möchte ich auch davon überzeugt sein. Will ich eine gegebene Strömung über einen gegebenen Widerstand atmen, brauche ich einen bestimmten Druckgradienten. Demnach wäre egal, ob oben die Lippen zu oder offen sind: über den peripheren Atemwegen fiele die gleiche Druckdifferenz ab, die kompression peripherer Atemwege wäre doch dann keineswegs positiv beeinflusst, ode täusche ich mich? Warum diese Lippenbremse akzeptierte Methode beim Patienten sein könnte, erkläre ich mir vorwiegend über 1. Verlangsamung der Ausatmung durch selbst erzeugter Widerstand(Lippen) verbessern letztendlich die Ventilation 2. Eher irrelevant: Druckerhöhung in der Lunge führt zu Kompression der Luft und damit bei gleicher Strömung (Volumen pro Zeit) zu besserem Luftmassetransfer durch Dichtesteigerung. Also liebe physiker, hab ich das nur nicht begriffen?[/quote]
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Dr. Langfinger-Mittelstra
Verfasst am: 04. Nov 2012 12:31
Titel: Wirkmechnismus der Lippenbremse bei akuter Atemwegsobstrukti
Meine Frage:
Vom dummen Mediziner an euch Physiker:
In vielen medizinischen Lehrbüchern (oder auch Lehrveranstaltungen) wird zur sog. "Lippenbremse" bei akuter Atemwegsobstruktion geraten; das heißt, zum Beispiel im Asthmaanfall. Dabei ist der Strömungswiderstand der Atemwege (vor allem kleinere Atemwege) erhöht.
Anatomische Grundlagen: Die Lunge besteht aus vielen kleinen separaten Luftbläschen, die jeweils von einer Endaufzweigung des Atemwegsbaumes belüftet werden. Der Druck in den Lufträumen der Lunge wird durch AUsdehnen und ZUsammendrücken der Lunge durch Bewegungen des Brustkorbes bewältigt. Die Atemwege sind nahe am Mund noch sehr großkalibrig und werden starr durch Knorpel offengehalten; peripher (mundfern) hält sie aber nur ihre Verankerung an den elastischen Wänden der Luftbläschen offen, sie sind selbst sozusagen schlaff. Daraus ergibt sich folgendes Problem: vergrößert sich der Strömungswiderstand in den peripheren Luftwegen, fällt über ihnen bei gleichbleibender Atmung ein größerer Druckgradient an, sodass die Atemwege bei Ausatmung innen einen deutlich niedrigeren Druck haben als im umgebenden Lungengewebe (Bläschen); das widerum kann zu Kompression oder Kollaps dieser Atemwege führen und das Problem verschlimmern.
Geraten wird nun folgendes: Die Lippen schließen und da hindurch ausatmen (Lippenbremse), Begründung: Steigerung des Atemwegsinnendruckes hielte diese offen.
Meine Ideen:
Mein Problem: Wenn ich jemandem das raten soll, möchte ich auch davon überzeugt sein. Will ich eine gegebene Strömung über einen gegebenen Widerstand atmen, brauche ich einen bestimmten Druckgradienten. Demnach wäre egal, ob oben die Lippen zu oder offen sind: über den peripheren Atemwegen fiele die gleiche Druckdifferenz ab, die kompression peripherer Atemwege wäre doch dann keineswegs positiv beeinflusst, ode täusche ich mich?
Warum diese Lippenbremse akzeptierte Methode beim Patienten sein könnte, erkläre ich mir vorwiegend über
1. Verlangsamung der Ausatmung durch selbst erzeugter Widerstand(Lippen) verbessern letztendlich die Ventilation
2. Eher irrelevant: Druckerhöhung in der Lunge führt zu Kompression der Luft und damit bei gleicher Strömung (Volumen pro Zeit) zu besserem Luftmassetransfer durch Dichtesteigerung.
Also liebe physiker, hab ich das nur nicht begriffen?