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3-5 Megatonnenexplosion bei Tschernobyl möglich?
 
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Honigesser
Gast





BeitragVerfasst am: 22. März 2011 05:53    Titel: 3-5 Megatonnenexplosion bei Tschernobyl möglich? Antworten mit Zitat

In einer Doku über Tschernobyl (Titel: Tschernobyl!) wird behauptet, daß es im AKW Tschernobyl fast eine zweite noch viel größeren Explosion hätte geben können, die einer Sprengkraft von einer 3-5 Megatonnen Atombombe entsprochen hätte, wäre das flüssige Brennstoff/Graphitgemisch mit dem Wasser, das sich unterhalb des Reaktors gesammelt hat, in Kontakt gekommen.


Kann mir jemand erklären, wie eine derartige Explosion bei einem AKW zustande kommen soll?
Ich dachte bisher, daß für Nuklearexplosionen der Anteil an spaltbarem Uran 235 auf über 90 % angereichert werden muß, damit es bei einer gegebenen kritischen Masse überhaupt zu einer nuklearen Explosion innerhalb eines Augenblicks kommen kann.
Wie soll das also bei einem Nuklearreaktor möglich sein, dessen Anteil an Uran 235 bestenfalls nur aus ca. 4-5 % angereichertem Uran 235 besteht?
franz



Anmeldungsdatum: 04.04.2009
Beiträge: 8923

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 07:07    Titel: Re: 3-5 Megatonnenexplosion bei Tschernobyl möglich? Antworten mit Zitat

Kurz.
Das wichtigste in diesem Text: Das Wörtchen "fast".
Kernreaktoren sind keine Kern(explosions)waffen und umgekehrt.
TheBartman



Anmeldungsdatum: 09.07.2009
Beiträge: 482

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 07:50    Titel: Antworten mit Zitat

Der Brennstoff im Tschernobylreaktor war ja gar nicht angereichert. Das ist der Vorteil der Graphitmoderation, man muss nicht anreichern und das macht das Verfahren billiger.

Etwas genaues zu deiner Doku sagen kann ich nicht, da mir einfach die Infos fehlen. Anhand deiner Zusammenfassung halte ich das aber für Sensationsgehabe.
Eine Explosion dieser Größenordnung ist für mich schwer vorstellbar, aber das eben nur unter Vorbehalt.

Was wurde denn getan, damit dieser Fall nicht eintritt?

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dermarkus
Administrator


Anmeldungsdatum: 12.01.2006
Beiträge: 14788

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 11:05    Titel: Re: 3-5 Megatonnenexplosion bei Tschernobyl möglich? Antworten mit Zitat

Honigesser hat Folgendes geschrieben:
In einer Doku über Tschernobyl (Titel: Tschernobyl!) wird behauptet, daß es im AKW Tschernobyl fast eine zweite noch viel größeren Explosion hätte geben können, die einer Sprengkraft von einer 3-5 Megatonnen Atombombe entsprochen hätte, wäre das flüssige Brennstoff/Graphitgemisch mit dem Wasser, das sich unterhalb des Reaktors gesammelt hat, in Kontakt gekommen.

Kann mir jemand erklären, wie eine derartige Explosion bei einem AKW zustande kommen soll?

Honigesser, franz und TheBartman, lest genau: diese zweite Explosion wäre keine nukleare Explosion gewesen, sondern sie wäre so stark gewesen wie eine nukleare Explosion einer "3-5 Megatonnen-Atombombe".


Honigesser hat Folgendes geschrieben:

Kann mir jemand erklären, wie eine derartige Explosion bei einem AKW zustande kommen soll?


Du weißt aus der Küche, dass Wasser explosionsartig verdampft, wenn man es plötzlich in Kontakt mit etwas heißem bringt, zum Beispiel mit einer Pfanne mit heißem Öl. (Darum füllt man kein Wasser in solche Pfannen, solange sie so heiß sind.)

Wenn man nun nicht eine heiße Pfanne mit Öl, sondern viele Tonnen extrem heiße Schmelze mit einem ausreichend großen Wasserreservoir plötzlich in Kontakt kommen lässt, dann ist diese Explosion durch plötzliches Wasserverdampfen um dementsprechend viele Größenordnungen heftiger und stärker als in der Pfanne in der Küche.

So stark, dass man die Heftigkeit mit der einer Atombombe vergleichen kann. (Sonst kennt man ja meistens den Vergleich, dass eine Atombombe so heftig explodiert wie so und so viele Tonnen TNT-Sprengstoff. Im hier angesprochenen Vergleich geht es um eine Wasser-Verdampf-Explosion, die so heftig sein kann wie die einer Atombombe, die so stark explodiert wie 3-5 Megatonnen TNT-Sprengstoff.)
TheBartman



Anmeldungsdatum: 09.07.2009
Beiträge: 482

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 12:41    Titel: Re: 3-5 Megatonnenexplosion bei Tschernobyl möglich? Antworten mit Zitat

dermarkus hat Folgendes geschrieben:

Honigesser, franz und TheBartman, lest genau: diese zweite Explosion wäre keine nukleare Explosion gewesen, sondern sie wäre so stark gewesen wie eine nukleare Explosion einer "3-5 Megatonnen-Atombombe".


Das habe ich schon verstanden. Es geht um eine Explosion die so stark wäre wie mindestens 3 Millionen (!) Tonnen TNT-Equivalent.
Das halte ich für unrealistisch. Lasse mich aber gern belehren.

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dermarkus
Administrator


Anmeldungsdatum: 12.01.2006
Beiträge: 14788

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 12:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habs nicht selber nachgerechnet, ob man da wirklich auf 3-5 Megatonnen TNT kommt. Dass allerdings ziemlich viel Wärmeenergie in so einer Tschernobyl-Schmelze gesteckt haben kann, die durch längeres Ablaufen der Kernspaltungs-Kettenreaktion ohne entsprechende Wärmeabfuhr angesammelt wurde, halte ich für plausibel.

Massnahmen, die man in Tschernobyl getroffen hat, um das abzuwenden, waren Einsperren und Kühlen. Einsperren in dem Sinn, dass man soweit ich mich erinnern kann eine zusätzliche dicke Betonschicht untendrunter unter den betroffenen Reaktor eingebaut hat, also zwischen den Reaktor und das Grundwasser. Und zum Kühlen hat man unter dem Reaktor nach dem Unglück einen Stickstoff-Kühl-Kreislauf installiert.

(Dass man Material wie Blei, Bor, Sand, Lehm draufgekippt hat und einen Sarkophag drübergebaut hat, ebenfalls zum Einsperren des Radioaktiven Materials darin, ist ja glaube ich schon breiter bekannt.)
Leonardo vom Winde



Anmeldungsdatum: 24.02.2011
Beiträge: 237
Wohnort: Dritter Planet

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 13:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,
also ich habe mit dem Megatonnen-Wasserdampfexplosionen ein Verständnisproblem. Wenn ein heißes Objekt in Wasser eintaucht, entsteht um das Objekt eine Wasserdampfschicht die den Wärmeaustausch doch stark einschränkt. Wenn heiße Lava ins Meer fließt, entstehen doch auch keine Explosionen:

http://www.youtube.com/watch?v=qiVVvQ9SVfc&feature=related

Was in Fukushima passieren kann wenn der Reaktorbehälter durch schmilzt,
ist, das der Sicherheitsbehälter durch den Dampfdruck zum Bersten gebracht wird. Je nachdem wie er platzt wird das Wasser wie in einen Geysir entweichen.

In Tschernobyl gab es gar keinen Sicherheitsbehälter der noch hätte platzen konnten.

Leo

_________________
Ich weiß genau was Raum und Zeit ist, aber wenn ich es erklären soll weiß ich es nicht mehr
dermarkus
Administrator


Anmeldungsdatum: 12.01.2006
Beiträge: 14788

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

Je allmählicher und sanfter der Kontakt mit dem Wasser erfolgt, um so weniger kommts natürlich zu einer Explosion. Wenn bei Lava komplett drumrum Meerwasser ist, erwärmt sich das viele Wasser allmählicher, als wenn etwas weniger Wasser plötzlicher erwärmt wird.

Auf heiße Brennstäbe Wasser draufzusprühen ist ja auch ohne Explosion denkbar. Schwallweise draufkippen könnte da je nach Temperatur und Wassermenge eher kritisch sein.

All das soll aber keinen dazu verleiten, am eigenen Leib auszuprobieren, wie man am besten Wasser auf eine heiße Ölpfanne draufkippt, um Hoffnung zu haben, sich dabei möglichst wenig zu verbrühen. In der Küche lässt man die Pfanne erst abkühlen, und spült sie dann erst später mit Wasser.

Je plötzlicher Wasser erwärmt wird, und je weniger leicht der viele dabei produzierte Wasserdampf entweichen kann, um so heftiger kann so etwas ablaufen.
TheBartman



Anmeldungsdatum: 09.07.2009
Beiträge: 482

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 14:53    Titel: Antworten mit Zitat

dermarkus hat Folgendes geschrieben:
Je allmählicher und sanfter der Kontakt mit dem Wasser erfolgt, um so weniger kommts natürlich zu einer Explosion.


Beim Kontakt von Lava und Wasser kann sich der Wasserstoff nicht anreichern, wird also entweder nach und nach wieder oxidiert oder verdünnt sich mit der Umgebung. --> unspektakulär

dermarkus hat Folgendes geschrieben:

Auf heiße Brennstäbe Wasser draufzusprühen ist ja auch ohne Explosion denkbar. Schwallweise draufkippen könnte da je nach Temperatur und Wassermenge eher kritisch sein.


Es geht ja darum dass sich das Wasser bei hohen Temperaturen zerlegt und sich Wasserstoff anreichern kann. Insbesondere wenn Metall oxidiert werden kann. Dieser Wasserstoff kann sich anreichern und mit Luft/Sauerstoff gemischt explodieren. --> Knallgasreaktion

dermarkus hat Folgendes geschrieben:

All das soll aber keinen dazu verleiten, am eigenen Leib auszuprobieren, wie man am besten Wasser auf eine heiße Ölpfanne draufkippt, um Hoffnung zu haben, sich dabei möglichst wenig zu verbrühen.


Heißes Öl und Wasser ist eine völlig andere Geschichte und hat mit einer Knallgasreaktion nichts zu tun.

Die Frage, die ich mir stelle ist einfach: Wieviel Wasser müsste ich zu Knallgas umsetzen um die Wirkung von 3 Mio Tonnen TNT zu haben ...

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dermarkus
Administrator


Anmeldungsdatum: 12.01.2006
Beiträge: 14788

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 15:40    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht verwechseln:

Die in diesem Thread thematisierte Explosion ist weder eine nukleare Explosion noch eine Knallgasexplosion.

Sondern, wie oben schon gesagt, ein schlagartiges Verdampfen von Wasser. Weil gasförmiger Wasserdampf so viel mehr Volumen einnimmt als flüssiges Wasser, kann das so explosionsartig erfolgen.
TheBartman



Anmeldungsdatum: 09.07.2009
Beiträge: 482

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 16:54    Titel: Antworten mit Zitat

dermarkus hat Folgendes geschrieben:

Sondern, wie oben schon gesagt, ein schlagartiges Verdampfen von Wasser. Weil gasförmiger Wasserdampf so viel mehr Volumen einnimmt als flüssiges Wasser, kann das so explosionsartig erfolgen.


Woher nimmst du diese Info? Aus dem Initialpost kann ich das nicht erlesen.
Außerdem hielte ich das für noch unwahrscheinlicher.

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DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 1948

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 18:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Reportage auch gesehen und mich ebenso über diese Behauptung gewundert. Da unter anderem auch Gorbatschow davon gesprochen hat, der damals am Krisenmanagement beteiligt war und deshalb die Einschätzung der zuständigen Experten aus erster Hand kennt, gehe ich davon aus, dass es sich nicht um eine pure Erfindung handelt. Auch der die Art und Weise, in der damals Menschen verheizt wurden, um das Schlimmste zu verhindern, spricht dafür, dass man mit einer Katastrophe von apokalyptischen Ausmaßen gerechnet hat.

Es besteht auch kein Zweifel, dass zum Erreichen der 3-5 Megatonnen TNT-Äquivalent der komplette verbliebene Reaktorkern wie eine Atombombe hätte detonieren müssen. Dazu kann ich mir nur ein Szenario vorstellen (das ist aber für extrem unwahrscheinlich halte):

Zunächst müsste man annehmen, dass es im geschmolzenen Kern zu einer Entmischung der Komponenten gekommen ist, in der das Spaltmaterial in relativ hoher Konzentration möglichst nahe unter dem moderierenden Graphit und möglichst weit von allen Neutronenfängern entfernt liegt. Ob und wie das möglich ist, lasse ich mal dahingestellt.

Wenn nun, wie damals befürchtet, der rund 3000°C heiße Kern durch den Boden bricht und als Ganzes in das darunter angesammelte Löschwasser fällt, dann würde es zunächst zu einer gewaltigen Dampfexplosion kommen. Die Druckwelle dieser Detonation würde den Kern verdichten und gegen den Moderator pressen. Gleichzeitig würde der hoch verdichtete Wasserdampf auch selbst als Moderator wirken.

Wie kurz vor der Explosion, die ursprünglich zur Zerstörung des Reaktors geführt hat, würde es auch jetzt zu einer unkontrollirten Kettenreaktion kommen. Anders als beim ersten Mal wird der Kern durch die Wasserdampfexplosion aber nicht zerrissen, sondern sogar noch stärker verdichtet, weil die Explosion nicht im Kern, sondern darunter stattfand und die Verdichtung von oben viel stärker ist, weil inzwischen tausende Tonnen Material darauf geworfen wurden. Selbst wenn die Kettenreaktion dadurch nur um eine Nanosekunde länger läuft, würde das im Vergleich zur ersten Explosion bereits zu einer 100000fach höheren Leistung führen (wobei die Moderation und Verdichtung noch gar nicht berücksichtigt sind).

Bis hier hin wäre das erst einmal nur eine Atomare Verpuffung, weil der Kern durch den Leistungsanstieg explosionsartig verdampfen und expandieren würde, wobei die kritische Masse wieder unterschritten und die Kettenreaktion gestoppt wird. Es gibt kein Material, dass den dabei auftretenden Drücken standhalten und das Spaltmaterial zusammen halten könnte, bis sich die Verpuffung zu einer Detonation steigert. Bei Atombomben erreicht man dies nur durch die Druckwelle einer chemischen Detonation.

Eine hinreichend starke Detonation haben wir hier aber nur unterhalb des Reaktorkerns und nicht an den Seiten und darüber. Allerdings liegen dort Unmengen an Material, das dem expandierenden Reaktorkern allein durch seine Trägheit genügend Widerstand entgegensetzen könnte. Mit einem solchen Trägheitseinschluss könnte der Kern vielleicht wirklich wie eine Atombombe detonieren und dabei den Großteil seines Spaltmaterials in Sekundenbruchteilen verbrennen.

Aber wie ich schon sagte, halte ich das für extrem unwahrscheinlich. Möglicherweise ist das Ganze auch nur ein Missverständnis. Es könnte nämlich sein, dass mit den 3-5 Megatonnen gar nicht die erwartete Sprengkraft gemeint war. Vielleicht erwartete man stattdessen die Explosion als schmutzige Bombe mit dem Fallout einer 3-5 Megatonnen-Atombombe.
magician4



Anmeldungsdatum: 03.06.2010
Beiträge: 914

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

einfach nur zur info:

(a) megatonnen: weder durch verdampfendes wasser vs. 20, 30, 40 tonnen schmelze bei ~ 3000°C (modell "druckkessel-bersten") noch durch zusaetzliche / alternative chemische reaktion (infolge dann knallgasreaktion) bekommt man 3-5 megatonnen zusammen

(b) neutronenfaenger, "entmischung": bei hinreichend sauerstoff-zutritt wird bor zu bortrioxid oxidiert. dieses ist bei den genannten temperaturen sodann gasfoermig (sdp. ~ 2300°C / 1 bar) , verlaesst das geschehen mithin richtung kuehlerer gefilde


...falls dies der weiteren eroerterung sachdienlich sein koennte


gruss

ingo
dermarkus
Administrator


Anmeldungsdatum: 12.01.2006
Beiträge: 14788

BeitragVerfasst am: 22. März 2011 21:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, also versuch ich doch mal eine grobe Abschätzrechnung, um zu schauen, ob die Größenordnung irgendwie realistisch sein kann.

1 kT (Kilotonne TNT) = 4,184 · 10^12 J
http://de.wikipedia.org/wiki/TNT-%C3%84quivalent

Modell: Thermische Energie der heißen Schmelze macht ein plötzliches Wasserverdampfen.



mit

c = spezifische Wärmekapazität der Schmelze irgendwo bei 1 bis 10 J/(g*K)

m = Masse der heißen Schmelze, irgendwo bei 100 t bis 1000 t = 10^8 bis 10^9 g

Delta T = Temperaturdifferenz der Schmelze, irgendwo zwischen 1000 K und 10000 K

Das ergibt eine freigesetzte Wärmeenergie von 10^11 J bis 10^14 J, also ganz grob zwischen 0,1 Kilotonnen TNT und 0,1 Megatonnen TNT.

Allein durch Wärmeenergie kommt man also sicher nicht, oder nicht ganz, in die Größenordnung von einigen Megatonnen TNT.

Ob die da in dem Modell, das da in dem Fernsehbeitrag scheinbar zitiert wurde, zusätzlich noch irgendwelche chemischen Energiefreisetzungen (vielleicht liefert die Dissoziation von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff bei hohen Temperaturen ja zusätzliche Energie oder so?) oder Zusatzeffekte wie von DrStupid angesprochen mit enthalten sein sollen?

Irgendwie so etwas Zusätzliches bräuchte man da noch in den Modellannahmen für so eine Rechnung, sonst wären die 3-5 Megatonnen TNT also doch ein gutes Stück zu hoch geschätzt.

Die werden sich doch nicht etwa einfach nur versprochen haben und zum Beispiel "3-5 Kilotonnen" statt "3-5 Megatonnen" gemeint haben grübelnd
Honigesser
Gast





BeitragVerfasst am: 22. März 2011 22:01    Titel: Antworten mit Zitat

TheBartman hat Folgendes geschrieben:

Etwas genaues zu deiner Doku sagen kann ich nicht, da mir einfach die Infos fehlen.


Ich kann hier als Gast leider keine weiterführenden Links posten, aber ich habe die Doku auf Youtube unter dem Titel "Die Wahre Geschichte von Tschernobyl (4/10)" gefunden.

http://www.youtube.com/watch?v=ieL7R8a15-U
[Habe diesen Link für Dich eingefügt. Schönen Gruß, dermarkus]

Davon Teil 4 von 10. Ab Minute 2:30 bis ca. 5:00.

Eventuell hilft das etwas weiter, ich kann leider auch nur wiedergeben was ich in der Doku gesehen habe.


An eine Verpuffung durch heißen Dampf habe ich zuerst auch gedacht, aber das gibt meiner Meinung nach keine 3-5 Megatonnenexplosion, aber genau davon war in der Doku ja die Rede.
3-5 Megatonnen, gleichwertig einer Wasserstoffbombe. Gorbatschow verglich das mit dem Sprengkopf einer SA-1? Nuklearrakete (Ich weiß leider nicht mehr die letzte Ziffer des genauen Waffentyps, daher das ? als Platzhalter) und führte diese auch in weiteren Beispielen aus.


Zitat:
Anhand deiner Zusammenfassung halte ich das aber für Sensationsgehabe.

Anzumerken sei hier noch, daß neben Gorbatschow in der Doku auch ein Physiker von der Möglichkeit dieser Explosion sprach und er selbst berufte sich auf ein dutzend Experten.



Zitat:

Was wurde denn getan, damit dieser Fall nicht eintritt?

Man hat wie hier einer erwähnte einen Tunnel unter das AKW gegraben um das Wasser unter der Schmelze abzupumpen. Anschließend wollte man noch ein Kühlsystem installieren.
Der Tunnel wurde innerhalb eines Monats gebaut und das Wasser dann abgepumpt, aber anstatt ein Kühlsystem zu installieren füllte man unter den Reaktor nur eine dicke Betonschicht.
dermarkus
Administrator


Anmeldungsdatum: 12.01.2006
Beiträge: 14788

BeitragVerfasst am: 23. März 2011 00:40    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, Honigesser, für den Youtube-Link zu dieser Reportage!

Da ist in der Tat die Rede von einer Explosion mit einer Stärke von 3-5 Megatonnen (TNT), die dadurch ausgelöst hätte werden können, dass ca. 1400 kg Schmelze (Uran-Graphit-Gemisch) auf Wasser treffen (Löschwasser, das sich im Reaktorgebäude unter dem Reaktorkern-Behälter befand).

Abgewendet wurde diese zweite Explosion dadurch, dass man das Löschwasser unten im Gebäude abpumpen konnte, bevor die Schmelze sich bis dorthin durchgefressen hatte.

Mit diesen Daten können die dann sicher nicht eine reine Wasserdampf-Erzeugungs-Explosion gemeint haben, die würde grob 5 Größenordnungen weniger an Energie freisetzen als die genannten 3-5 Megatonnen TNT.
Jacky
Gast





BeitragVerfasst am: 10. Jun 2014 14:28    Titel: Nebenan liegende Reaktoren Antworten mit Zitat

Ich habe nicht das ganze Forum gelesen, vielleicht ist das also ein doppel-post, aber es wäre nicht die Thermische explosion an sich gewesen, welche dieses Ausmass gehabt hätte, nein, aber sie hätte die nebenan liegenden Reaktoren auch zerstört und die waren in vollem Betrieb.
Trace
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Okt 2014 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Bevor ihr euch weiter über thermonukleare Explosionen im Zusammenhang mit Atomkraftwerken unterhaltet, macht euch bewusst (z.B. durch Wikipedia), dass unter KEINEN Umständen eine Kernwaffenexplosion in einem Atomkraftwerk möglich ist!!!!!
Explosionen in einem AKW haben NICHTS mit Kernwaffenexplosionen zu tun.

Eine mögliche Kernwaffenexplosion ist ein sehr gern genutztes Argument von Atomkraftgegnern die nicht wissen wovon sie reden.

Zum einen ist das verwendete spaltbare Material in einem AKW nicht geeignet, zum anderen wird die kritische Masse nicht erreicht, selbst nicht durch eine Havarie. Ausserdem fehlen noch einige andere technische und physikalische Gegebenheiten.

Entweder hat jemand bei der Einheit einen Fehler gemacht oder aber sie meinten, dass die Menge des radioaktiven Materials einer Explosionskraft von 3-5 Megatonnen ergeben würde, WÄRE das Material waffenfähig.
Ausserdem sind 3-5 Megatonnen nicht gleichwertig mit einer Wasserstoffbombe (ab 10 Megatonnen).
Lichtbogen



Anmeldungsdatum: 03.09.2014
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 06. Okt 2014 18:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,
Trace hat Folgendes geschrieben:
Bevor ihr euch weiter über thermonukleare Explosionen im Zusammenhang mit Atomkraftwerken unterhaltet, macht euch bewusst (z.B. durch Wikipedia), dass unter KEINEN Umständen eine Kernwaffenexplosion in einem Atomkraftwerk möglich ist!!!!!
Explosionen in einem AKW haben NICHTS mit Kernwaffenexplosionen zu tun.

dann erkläre mal die rot-orange Explosionsflamme bei der Explosion des Reaktors Nr.3 in Fukushima. Knallgasexplosionen haben eine kaum sichtbare Explosionsflamme, nach Wiki ist sie blass grün.
Dazu ist die Erklärung es Betreibers in meinen Augen abenteuerlich. Das Knallgas soll durch die, vom Tsunami zerstörte, Belüftungsanlage aus einem anderen Reaktorblock eingeströmt sein.
Eine Atomreaktion der Brennstäbe im trocken gewordenen Abklingbecken ist für mich die plausibelste Erklärung.

Grüße
Trace
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Okt 2014 12:19    Titel: Antworten mit Zitat

Lichtbogen hat Folgendes geschrieben:
Hi,
Trace hat Folgendes geschrieben:
Bevor ihr euch weiter über thermonukleare Explosionen im Zusammenhang mit Atomkraftwerken unterhaltet, macht euch bewusst (z.B. durch Wikipedia), dass unter KEINEN Umständen eine Kernwaffenexplosion in einem Atomkraftwerk möglich ist!!!!!
Explosionen in einem AKW haben NICHTS mit Kernwaffenexplosionen zu tun.

dann erkläre mal die rot-orange Explosionsflamme bei der Explosion des Reaktors Nr.3 in Fukushima. Knallgasexplosionen haben eine kaum sichtbare Explosionsflamme, nach Wiki ist sie blass grün.
Dazu ist die Erklärung es Betreibers in meinen Augen abenteuerlich. Das Knallgas soll durch die, vom Tsunami zerstörte, Belüftungsanlage aus einem anderen Reaktorblock eingeströmt sein.
Eine Atomreaktion der Brennstäbe im trocken gewordenen Abklingbecken ist für mich die plausibelste Erklärung.
Grüße


Bitte nicht falsch verstehen, es ging in meiner Antwort nicht darum was genau oder wie etwas explodiert ist. Es ging lediglich darum, dass in einem AKW KEINE Explosion wie bei einer Atombombe stattfinden kann......es ist technisch nicht möglich!!!
franz



Anmeldungsdatum: 04.04.2009
Beiträge: 8923

BeitragVerfasst am: 07. Okt 2014 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Zu den angesprochenen Havarien gibt es inzwischen umfangreiche Dokumentationen. Ansonsten würde ich eher die entsprechenden "Jubiläen" abwarten und das "Pulver" nicht vorzeitig vergeuden.
Teufel
Trace
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Okt 2014 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

franz hat Folgendes geschrieben:
Zu den angesprochenen Havarien gibt es inzwischen umfangreiche Dokumentationen. Ansonsten würde ich eher die entsprechenden "Jubiläen" abwarten und das "Pulver" nicht vorzeitig vergeuden.
Teufel


Ganz genau, selbst auf Wikipedia gibt es einen sehr ausführlichen Artikel bezüglich der Vorkomnisse, die zu der Katastrophe vom AKW Tschernobyl geführt haben.

Mir gehts nur darum, dass immer wieder Menschen ein AKW mit einer Atombombe "verwechseln" und an dieser Ansicht sehr stark festhalten, ohne sich jemals dahingehend zu bilden.
DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 1948

BeitragVerfasst am: 07. Okt 2014 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Trace hat Folgendes geschrieben:
Mir gehts nur darum, dass immer wieder Menschen ein AKW mit einer Atombombe "verwechseln"


Man darf ein AKW auch nicht mit dem zerstörten Reaktor in Tschernobyl verwechseln. Dass ein funktionstüchtiger Reaktor nicht wie eine Atombombe explodieren kann, steht außer Frage und ist nicht Thema dieser Diskussion. Hier geht es darum, ob der geschmolzene Reaktorkern detonieren konnte.
asdadad
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Okt 2014 19:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann mir nicht vorstellen, wie man weder konventionell noch durch eine unkontrolliert gestartete Kernspaltung eine Explosion der Größenordnung von einigen MEGAtonnen erreichen kann. Dafür müsste man einen unglaublich hohen Druck haben, welcher auch noch auf eine sehr spezifische Art und Weise räumlich und zeitlich verteilt ist. EIne Explosion der Größenordnung von einigen Kilotonen wäre schon sehr "optimisch", aber Megatonnen?
DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 1948

BeitragVerfasst am: 07. Okt 2014 20:53    Titel: Antworten mit Zitat

asdadad hat Folgendes geschrieben:
Ich kann mir nicht vorstellen, wie man weder konventionell noch durch eine unkontrolliert gestartete Kernspaltung eine Explosion der Größenordnung von einigen MEGAtonnen erreichen kann.


Mangelnde Vorstellungskraft ist kein überzeugendes Argument. Bei einem Wirkungsgrad von rund 10% (moderne Kernwaffen kommen auf 30%) hätte die ursprünglich im Reaktor vorhandene Uranmenge rein rechnerisch für eine solche Energiefreisetzung ausgereicht. Es geht also "nur" um die Frage, ob man nach damaligem Kenntnisstand überhaupt mit einer Kernexplosion rechnen musste und die werden wir hier wohl nicht klären können.
asdasdasdd
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Okt 2014 22:52    Titel: Antworten mit Zitat

DrStupid hat Folgendes geschrieben:
Mangelnde Vorstellungskraft ist kein überzeugendes Argument.

Ich kann mich nicht erinnern jemanden überzeugen zu wollen.

DrStupid hat Folgendes geschrieben:
Bei einem Wirkungsgrad von rund 10% (moderne Kernwaffen kommen auf 30%) hätte die ursprünglich im Reaktor vorhandene Uranmenge rein rechnerisch für eine solche Energiefreisetzung ausgereicht.
Das ist aber eine äußert naive Rechnung. Sogar die kleinste Störung des Prozesses würde fast kompletten Spaltungsmaterial bei dieser Menge einfach auseinaderschmeißen. Man erreicht ziemlich schnell die Grenzen dessen, was man allen mit der Kernspaltung erreichen kann, da man die Bedingungen für einen günstigen Verlauf der Explosion einfach nicht schaffen/kontrollieren kann. Wir reden hier aber von einem mehr oder weniger zufälligen Prozess und nicht einer hochentwickelten Kernsaltungswaffe.
Trace
Gast





BeitragVerfasst am: 08. Okt 2014 01:27    Titel: Antworten mit Zitat

DrStupid hat Folgendes geschrieben:
Trace hat Folgendes geschrieben:
Mir gehts nur darum, dass immer wieder Menschen ein AKW mit einer Atombombe "verwechseln"


Man darf ein AKW auch nicht mit dem zerstörten Reaktor in Tschernobyl verwechseln. Dass ein funktionstüchtiger Reaktor nicht wie eine Atombombe explodieren kann, steht außer Frage und ist nicht Thema dieser Diskussion. Hier geht es darum, ob der geschmolzene Reaktorkern detonieren konnte.



Der Reaktorkern selbst kann nicht explodieren. Zum einen muss man sich klar machen, was für eine Bauform ein Reaktor hat. Im Fall von Tschernobyl war dies ein Graphitmoderierter Reaktor. Hierbei dient das Kühlmittel NICHT gleichzeitig als Moderator. Bei Verlust der Kühlung besteht weiterhin eine Kernspaltung die durch den Verlust der Kühlung weiter zunimmt. Die Brennstäbe erhitzen sich immer weiter und weiter, der Druck steigt extrem hoch an. Dieser Druck in Verbindung mit dem Entstehen von Wasserstoff (exotherme Reaktion), welches den Druck noch weiter steigen lässt, führt letzendlich dazu, dass der Druck ja irgendwo hin will. Der Sicherheitsbehälter kann dem nicht standhalten und explodiert.

Eventuell müsste man erstmal klären, was hier mit "Kernexplosion" gemeint ist?! Meint ihr damit die Explosion durch Kernspaltung (Atombombe) oder meint ihr die Explosion des Kerns eines AKW.
Unter dem Begriff "Kernexplosion" ist eine Atombombe zu verstehen. Ist aber der Kern eines AKW gemeint, dann bitte auch so schreiben. Sonst führt das schnell dazu, dass Kernexplosion und Explosion eines AKW Kerns verwechselt wird.
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